Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
Entstehung
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Otto Lanser

hältnismäßig geringe Ausdehnung dieser Flächen in radialer Richtung gestattet es, die Angriffskraft des Windes in ihrem Mittelpunkt konzentriert zu denken und mit dem Radius dieses Mittelpunktes zu rechnen. Wenn sich das Flügelrad ohne jeden Reibungsverlust drehte (Lagerreihung und Reihung des vorbei­streichenden, bewegten Mediums an Flügeln und Speichen), dann wäre hei einer Schrägstellung der Flügelflächen von 45° der Drehweg des Mittelpunktes gleich dem Windweg. Bei kleineren Winkeln ist der Drehweg kleiner, bei größeren größer. Will man trotz der vorhandenen Reihung den Drehweg gleich dem Wind­weg halten, dann muß man die Flügel also etwas steiler als 45° gegen die Achse stellen; das Maß dieser Verstellung kann aber nur im Versuchswege gefunden werden, der Flügel mußte also eine Eichung erfahren.

Für diesen Zweck erfand Schober eine in ihrer Einfachheit geistvolle Vor­richtung: An einem waagrechten, um einen Mittelzapfen kreisenden Balken war das Windrad so befestigt, daß seine Achse den vom Balkenende beschriebenen Kreis tangential berührte, seine Fläche also senkrecht zur Bewegungsrichtung stand. Unter der Voraussetzung, daß das achsial vorwärts bewegte Rad in ruhen­der Luft sich ebenso verhalte wie das ruhende Rad in bewegter Luft eine Vor­aussetzung, die auch heute jeder Flügelgleichung zugrunde liegt ließ sich damit das Verhältnis des Drehweges zum Windweg leicht suchen. Bei 4 Fuß halber Balkenlänge betrug der Umfang des Kreises, in dem das Gerät herum­bewegt wurde, fast genau 25 Fuß; die Flügel des Windrades selbst erhielten einen Radius von 4 Zoll, der Drehweg ihres Mittelpunktes bei einem Umlauf betrug dann mit 25 Zoll gleich 2V 2 Fuß (1 Pariser Fuß = 10 Zoll = 0,325 m) genau V 10 des großen Kreises. Man brauchte also den Anstellwinkel der Flügel nur so zu wählen, daß das Windrad bei einem Umlauf der ganzen Vorrichtung 10 Um­drehungen vollführte, dann konnte der Windweg gleich dem Drehweg gesetzt werden freilich unter der durchaus nicht genau erfüllten Voraussetzung, daß die Reibungsverluste immer gleich bleiben; in Wirklichkeit ändern sie sich mit der Windgeschwindigkeit und es müßte daher auch der Anstellwinkel veränder­lich sein.

Um die Umdrehungen leicht zählen zu können, bediente sich auch Schober der schon von Wolf verwendeten Schnecke, in die ein Zahnrad mit 12 Zähnen ein- griff; ein oder zwei vorstehende Stifte waren darin so eingesetzt, daß sie bei jeder sechsten oder zwölften Umdrehung der Schneckenwelle ein Hämmerchen auf eine Glocke schlagen ließen. Mit dieser Vorrichtung ist Schober auch zum Erfinder der heute allgemein üblichen, allerdings durch elektrische Ivontakt- gebung erreichten, akustischen Umdrehungszählung geworden.

Diese Gedanken und Erfindungen Schobers übernahm Woltmann bei der Konstruktion des häufig nach ihm benannten hydrometrischen Flügels (Bild 7). Er brauchte nicht sehr viel mehr hinzu zu tun, um dieses Gerät auch zur Geschwin­digkeitsmessung in fließenden Gewässern geeignet zu machen. Da unter Wasser natürlich keine Glockenzeichen gegeben werden können, lagerte er das zur Zählung der Umläufe dienende Zahnrad auf einem beweglichen Hebel, so daß es durch Zug an einer Schnur zum Eingriff mit der Schnecke gebracht, beim Nachlassen des Zuges durch Federkraft wieder ausgerückt und arretiert wurde. So konnten