Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen

48

Otto Lanser

noch gültige Bauart. Der große Nachteil des alten WoLTMANN-Flügels mit mechani­schem Zählwerk war ja, daß man ihn nach jeder Messung an den einzelnen Meßpunkten immer wieder aus dem Wasser heben mußte, um das Zählwerk abzulesen. Ungefähr gleichzeitig mit Harlachers Arbeiten war auch eine akustische Zeichenübertragung versucht worden (Hydrometer mit Schalleitung von Wagner, Deutsche Bauzeitung 1880), eine wirklich befriedigende Lösung dieser Aufgabe konnte aber nur in einer elektrischen Zeichenübertragung ge­funden werden.

Aus einer Notiz bei Harlacher geht hervor, daß die erste Anwendung elek­trischer Zeichenübertragung bei einem Meßflügel schon 1859 von Ritter, Chef­ingenieur der Brücken und Straßen, in Paris konstruiert worden war, der ein solches Gerät für Messungen im Bosporus bei großen Wassertiefen von 50 bis 60 m benötigte, bei welchen natürlich jede andere rbertragungsart oder die Ver­wendung der Stangenflügel ausgeschlossen war. Ritters Flügel wurde daher an einem Kabel ins Wasser gelassen und besaß ein Steuer, durch welches er in der Strömung gehalten wurde. Unterhalb dieses Flügelapparates war ein schweres Gewicht in Kugelform angebracht, um einem zu starken Abtreiben vor­zubeugen. Da das salzige Meerwasser ein guter Stromleiter ist, mußte die Kon- taktgebung wasserfrei gehalten werden. Ritter setzte das über eine Schnecke von der Flügelwelle aus angetriebene Werk in ein vertikales Gehäuse, welches wie eine Taucherglocke wirkte, so daß der am obersten Punkte befindliche Kon­taktstift nur von komprimierter Luft umgeben war, eine Ausführung, die freilich an turbulenten Bächen und Flüssen nicht möglich wäre. Dieses Werk zeigte jedes Hundert Umdrehungen durch die Ablenkung der Nadel eines Galvano­meters an. In einer bei Harlacher zitierten Briefstelle des Erfinders heißt es jedoch, daß die damaligen Telegraphenkabel so dick und schwer waren und dem Strom einen so großen Widerstand entgegensetzten, daß die Versuche bald ab­gebrochen wurden.

Jedenfalls hat Harlacher ganz unabhängig von Ritter, dessen voran­gegangene Arbeiten ihm erst nachträglich zur Kenntnis gelangt waren, sein Gerät konstruiert; allerdings scheint er von den hydraulischen Messungen gewußt zu haben, die ein Nordamerikaner namens I). F. Henry (nach anderen Quellen Farrand Hay) in den die Großen Seen verbindenden Flußsystemen 1867 und 1868 vorgenommen hatte und bei welchen zum ersten Male in größerem Maßstabe elektrische Zeichenübertragung angewendet worden war. Hiebei handelt es sich jedoch um einen Schalenflügel mit 4 Armen und 4 hohlen Halbkugeln, der sich verhältnismäßig langsam um eine vertikale Achse drehte; der während jeder Umdrehung geschlossene und unterbrochene Strom machte die Touren an einem über Wasser befindlichen Zählapparat ersichtlich.

1871 teilte Harlacher seine Konstruktionsideen Dr. J. Amsler-Laffon in Schaffhausen und Hipp in Neuenburg mit und mit letzterem zusammen führte er schon 1872 die ersten voll gelungenen Versuche aus. Es zeigte sich, daß man im nur schwach leitenden Süßwasser der Flüsse ohne wasserfreien Kontakt auskommen kann; es wurde auch nur ein eindrähtiges Kabel verwendet, da zur Rückleitung des Stromes die Flügelstange diente. Die Kontaktgebung selbst er-