Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
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Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens

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folgte auch hier mittels eines Schneckengetriebes, das bei jeder 50. oder 100. Um­drehung des Flügels ein elektrisches Klingelzeichen anslöste. Auch Amsler griff die Anregung auf und der Ban von hydrometrischen Flügeln bildete bald einen wichtigen Geschäftszweig dieser bekannten feinmechanischen Firma. Die von ihr hergestellten, schon recht vollkommen dnrehkonstrnierten Geräte beschrieb J. Amsler-Laffon in der Veröffentlichung: Der hydrometrische Flügel mit Zählwerk und electrischer Zeichengebung, Schaffhausen 1877.

Harlacher wandte auch der mechanischen Seite des Gerätes und der Meßmechanik seine Aufmerksamkeit zu. Bisher war der Flügel am unteren Ende einer frei ins Wasser tauchenden Stange befestigt worden, eine Anordnung, die zwar durch das wiederholte Heraufholen des ganzen Apparates bedingt war, die Stange jedoch als Kragträger beanspruchte, so daß sie bei größeren Strömungs­geschwindigkeiten oder Tiefen nicht mehr gehandhabt werden konnte. Harlacher griff auf die ursprüngliche Anordnung Woltmanns einer auf dem Flußgrund feststehenden Stange zurück, an welcher er jedoch den Flügel beweglich anordnete. Dieser saß an einem die Stange umgreifenden Hohlkörper, dessen Gleiten durch Führungsrollen erleichtert wurde; das Gerät war von einem über eine Umlenkrolle am oberen Stangenende laufenden Kabel gehalten. An diesem konnte es mittels einer kleinen Winde mit Tiefenzählwerk an den gewünschten Meßpunkt ab­gelassen werden (Bild 9).

Für große Tiefen und Stromgeschwindigkeiten war allerdings diese Ausrüstung unzureichend. Harlacher und Amsler arbeiteten daher eine Type aus, die an einem Tragkabel frei ins Wasser hing; die Tiefe konnte an einem Zählwerk der Winde abgelesen werden, während ein linsenförmiger Beschwerungskörper das Kabel straffte und gegen zu großen Abtrieb sicherte.

Es kommt aber bei allen Fragen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis nicht nur auf die Erfindung und Entwicklung entsprechender Geräte an, sondern auch ja vor allem auf die gedankliche Bewältigung der Aufgabe. Eben um diese gedankliche Klärung der Meßmethodik und der Meßauswertung hat sich Har­lacher noch ein bedeutendes Verdienst erworben und hiefür jene Verfahren an­gegeben, die heute noch üblich und in den einschlägigen Vorschriften der meisten hydrographischen Ämter festgehalten sind.

Leupold gibt noch an, man habe die Profilfläche mit zwei Drittel der durch Schwimmer gefundenen Geschwindigkeit zu multiplizieren, um die Abflußmenge zu erhalten; dieses Verfahren stellt eine recht gute Näherung dar, da die mittlere Profilgeschwindigkeit tatsächlich in der Größenordnung von etwa zwei Drittel der maximalen Oberflächengeschwindigkeit liegt. So betrug z. B. im Mittel aus 15 vom Hydrogr. Zentralbüro durchgeführten Donaumessungen der Jahre 1911, 1912 und 1913 das Verhältnis der letzteren zur ersteren 0,685, somit fast genau zwei Drittel, wobei allerdings die Einzelwerte zwischen 0,51 und 0,81 streuten.

Diese Angabe Leupolds, die auf Mariotte zurückgeht, stellt dessen Be- obachtungs- und Meßmethodik also ein sehr gutes Zeugnis aus. Mariotte hatte auf diese Weise die Abflußmenge der Seine bei Paris bei mittlerem Wasserstande auf 200.000 Kubikfuß je Minute berechnet, das sind etwa 115 m 3 /sek. Trotzdem ist dieses Verfahren eben nur eine Näherung. Als man es später mit Hilfe der hier