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Otto Lanser
Methode setzt voraus, daß die Meßflüssigkeit chemische oder physikalische Eigenschaften besitze, die sich mit der Verdünnung in völlig gesetzmäßiger Weise ändern und die auch hei möglichst großen Verdünnungsgraden noch sehr exakt gemessen werden können. Meist verwendet man hiezu Salzlösungen; die quantitative chemische Analyse der verdünnten Mischung ist hier in verhältnismäßig einfacher Weise noch sehr genau möglich. An physikalischen Eigenschaften, die für solche Verfahren herangezogen wurden, sind vor allem die elektrische Leitfähigkeit und dann auch die Farbe zu nennen; allerdings hängt die Meßgröße dieser physikalischen Eigenschaften meist nicht in einfacher Weise nur vom Verdünnungsgrad ah, sondern z. B. auch von der schon vor der Beigabe im natürlichen Fluß vorhandenen Leitfähigkeit sowie besonders von der Wassertemperatur. Ähnlich wird die Möglichkeit einer kolorimetrischen Messung durch die schon vorhandene Färbung des Wassers durch Humusstoffe, durch die Schlammtrübung oder ähnliches beeinträchtigt.
Es ist nicht Absicht dieser Ausführungen, auf die große Zahl von Meßmethoden solcher und ähnlicher Art, auf ihre Entwicklung und auf die damit zusammenhängenden Fragen w T eiter einzugehen. Die Flügelmessung hat sich jedenfalls bis heute in den meisten Fällen doch als die zweckmäßigste behauptet. Es sei aber dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die so erstaunlichen Fortschritte der technischen Physik mehr als bisher auch auf ihre Anwendbarkeit für Zwecke der Hydrometrie geprüft würden und daß es gelänge, die Abflußmessung wesentlich zu vereinfachen; vielleicht brauchten dann eines Tages nicht mehr die Pegelstände aufgezeichnet und aus ihnen mittels eines immer wieder sich ändernden und daher oftmals neu zu messenden funktionalen Zusammenhanges mühsam die Abflußwerte berechnet zu werden; vielleicht könnte dann vielmehr der Abfluß selbst täglich oder bei Bedarf auch täglich mehrmals aus unmittelbaren Messungen erhoben werden. I >ie solcherart gewonnene, weitaus größere Exaktheit unserer Kenntnis der Abflußverhältnisse käme allen Zweigen der praktischen Wasserwirtschaft ebenso wie der wissenschaftlichen Hydrologie zugute.
Für freundliche Unterstützung bei meiner Arbeit bin ich dem Technischen Museum — Forschungsinstitut für Technikgeschichte in Wien sowie der Direktion der Bibliothek der Technischen Hochschule in Wien Dank schuldig; ebenso danke ich Herrn Dozenten Dr -Ing. W. Kresser für manchen Kat und Hinweis.
Anmerkungen
zu den Lebensgeschichten der Forscher.
(1) Leonardo da Vinci, geb. 1452 zu Vinci bei Florenz, gest. 1519 auf Schloß Cloux bei Amboise.
Die zahllosen Studien und Skizzen Leonardo da Vincis aus fast allen Gebieten der Naturwissenschaft sind in verschiedenen Handschriften zerstreut enthalten; besonders wertvoll ist der „Codice Atlantico“ in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand. Von den wenigen, in sich abgeschlossenen wissenschaftlichen Werken trägt eines den Titel: „Del moto e misura dell’acque“.
Literatur über Leonardo da Vinci als Hydrauliker: C. Reindl, „Leonardo da Vinci, der Hydrauliker“, in „Wasserkraft und Wasserwirtschaft“ 1939, S. 267.