Aufsatz 
Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen / von Otto Lanser
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Die bisherige Entwicklung (1er Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen

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Geschiebetrieb überall dort herrschen müßte, wo die Wassertiefe größer ist als die Grenztiefe h 0 . Es zeigt sich vielmehr eindeutig, daß auch bei fast ebener, ja sogar konvexer Sohle das Geschiebe sich in einem schmalen Streifen bewegt, der sich erst bei hohen Wasserständen über die ganze Sohlbreite auszudehnen beginnt. Gleiche Größe der Schleppkraft bedingt keineswegs auch immer den gleichen Geschiebetrieb, wenn z. B. die Wassertiefe eine andere ist. Der Schleppkraftbegriff ist daher nicht sehr geeignet, als Grundlage für die Theorie der Geschiebebewegung zu dienen und die Größe (S S 0 ) oder (h h 0 ) vermag kein sehr brauchbares Maß für die Größe derselben zu bilden.

Unter den Forschern, die sich um eine den Tatsachen besser entsprechende Theorie in langjähriger Arbeit bemühten, ist wohl zuerst F. Schaffernak zu nennen. Sein Grundgedanke war es, den Geschiebetrieb in Beziehung zur Sohlen­geschwindigkeit zu setzen:

9 = fi (»*) (13)

Schaffernak setzte weiter voraus, daß die Sohlengeschwindigkeit sich ihrerseits als Abhängige der Wassertiefe bzw. des Wasserstandes

v s = h (0 bzw - v s = h ( h ) ( 14 )

aus hydrometrischen Erhebungen in der Natur ermitteln läßt.

Gelingt es, im Versuchswege für ein bestimmtes Geschiebegemisch die Be­ziehung (13) festzulegen, überdies an einem Flusse, der das gleiche Gemisch auf­weist, die Beziehung (14) zu ermitteln, so folgt zum Schlüsse aus der Vereinigung beider Gleichungen das für den betrachteten Fluß eigentümliche Geschiebetriebs­gesetz

G = / 4 («) bzw. G = / 5 (Ä). (15)

Schaffernak nahm schließlich an, zu einem Allgemeingesetz über die Ge­schiebeabfuhrfähigkeit jedes gegebenen Profiles kommen zu können, indem er diesen Vorgang für mehrere Flüsse mit charakteristischen Geschiebemischungen wiederholte.

Zur Ermittlung der Beziehung (13) benützte er eine Versuchseinrichtung, bei welcher das Wasser in einer 1 m breiten Rinne unter der quer gestellten Abschluß­wand eines Behälters hervor in dünner Lamelle (5 cm) mit bekannter Geschwindig­keit über einen Geschiebevorratsbehälter floß; die Oberfläche dieses Geschiebe­vorrats wurde stets bündig mit der Sohle der anschließenden Gerinneteile gehalten, da das Geschiebe auf vertikal verschiebbaren Platten ruhte, die nach Maßgabe der vom Wasser jeweils abgeführten Menge angehoben wurden.Durch diese Vor­richtung war es möglich, den im Geschiebekörper sich entwickelnden Kolk, der je nach der Korngröße am flußaufwärtigen Ende oder mehr in der Kastenmitte an­setzte, an seiner Ausbildung zu hindern und damit dem darüberschießenden Wasser während des ganzen Versuches immer dieselben Sohlenverhältnisse zu bieten. Bei der geringen Tiefe des Wasserstromes konnte dessen mittlere Geschwindigkeit über den ganzen Querschnitt bzw. über die Tiefe von 5 cm als gleich angenommen und damit direkt eine Beziehung der Wassergeschwindigkeit knapp über der Sohle und dem Geschiebeabtransport ermittelt werden. In der Tat gelangte Schaffernak