Aufsatz 
Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen / von Otto Lanser
Entstehung
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Otto Lanser

für verschiedene Typen von Geschiebegemischen, die er durch Mischungslinien kennzeichnete, zu Ergebnissen, die keine sehr starken Streuungen zeigten und das Einlegen von Ausgleichskurven ziemlich zwanglos gestatteten.

Weniger gut glückte der Versuch, eine allgemeine Beziehung zwischen der Sohl­geschwindigkeit und der Wassertiefe aufzustellen. Schaffernak schnitt hiemit das insbesondere für rauhe Wandungen immer noch nicht ganz gelöste Problem der Geschwindigkeitsverteilung in den einzelnen Lotrechten eines benetzten Quer­schnittes an. Wenn ein solches, allgemein gültiges Gesetz bestünde, dann müßte der Weg Schaffernaks zum Ziele führen. In Wirklichkeit ist es aber wohl so, daß nicht die Sohlgeschwindigkeit von der Wassertiefe, sondern eher umgekehrt das Gesetz der Geschwindigkeitsverteilung und damit auch die Wassertiefe von der Sohlengeschwindigkeit, d. h. von der Sohlenrauhigkeit abhängen.

In Gewässern, die sich auf beweglicher Sohle gesetzmäßig und ungestört aus­bilden konnten, bestehen sicher zwischen Gefälle, Korngröße und damit Rauhigkeit der Bettwandungen, ferner Wassertiefe und Profilbreite gesetzmäßige Zusammen­hänge; es gehört also zu jeder Sohlenrauhigkeit eine gewisse Mindesttiefe und umgekehrt, wenn sich eine gesetzmäßige Geschwindigkeitsverteilung einstellen soll; diese Voraussetzung dürfte mehr oder weniger erfüllt sein an Gewässern, die durch­aus auf ihren eigenen Alluvionen abfließen und die daher in der Lage sind, sich aus ihrer Sohle jederzeit die ihrer augenblicklichen Schleppkraft entsprechenden Geschiebemengen und Korngrößen herauszuholen. An Gebirgsgewässern ist dies jedoch meist nicht der Fall, da geschiebereichere und gefällereichere Zubringer dort das Geschieberegime bestimmen. Bettrauhigkeit und Schleppkraft stehen hier nicht in einem Verhältnis gegenseitiger Bedingtheit und ebensowenig Rauhigkeit und Wassertiefe, da die grobsteinige, förmlich gepflasterte Sohle erst bei Wasser­ständen in Bewegung gerät, die nur selten, nämlich bei bedeutenden Hochwässern erreicht werden. Mit anderen Worten: Die Tiefe ist für die vorhandene Sohlen­rauhigkeit zu klein. Die Abnahme, sozusagen die Bremsung, die die Wasserge­schwindigkeit gegen die Sohle zu erleidet, ist daher viel stärker, als sie es dann wäre, wenn die Wassertiefe der Rauhigkeit entspräche; die Form der Geschwindigkeits­kurve ist nach unten zu spitzer und weniger einem Rechteck angenähert, so daß auch der Mittelwert v m vom Größtwert t max oder von der Oberflächengeschwindigkeit v 0 stärker ab weicht.

Der Versuch Schaffernaks, eine allgemeine Beziehung v s = f ( t ) herauszufinden und damit auch den Geschiebetrieb in eine gesetzmäßige Abhängigkeit vom Wasser­stande zu bringen, ist daher wohl nur unter Voraussetzungen aussichtsvoll, die verhältnismäßig selten erfüllt sind. Freilich gelten auch die anderen, seither auf­gestellten Formeln nur unter ähnlichen Einschränkungen, da eben ein einigermaßen gesetzmäßiger Ablauf des Geschiebeflusses überhaupt nur dann besteht und somit auch nur dann mathematisch formuliert werden kann, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Indessen vermeiden es diese anderen Formeln, einen gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen Abfluß und Geschiebetrieb auf dem Umwege über ein an sich schon recht schwieriges Problem zu suchen, nämlich über die Frage nach der vertikalen GeschwindigkeitsVerteilung.

Schaffern ak trug in einem logarithmisch geteilten Raster jeweils zusammen-