Aufsatz 
Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen / von Otto Lanser
Entstehung
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Otto Lanser

von der subjektiven Beurteilung des Beobachters ab; er muß daher anders definiert werden. Denkt man sich den Geschiebetrieb bei einem bestimmten Gefälle in Abhängigkeit vom Durchflusse als Ordinaten aufgetragen, dann gelte als Q 0 jener Wert, den man erhält durch extrapolierende Rückverlängerung der Funktion bis zum Schnittpunkt mit der Abszissenachse, die dem Geschiebetrieb 0 entspricht.

Die Geschiebefracht innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, z. B. eines Jahres, läßt sich dann aus der Beziehung

ZG=y' J*-£(Q Q 0 )

(18)

auch auf graphischem Wege, durch Planimetrierung der den Grenzwert Q 0 über­steigenden Fläche des Wassermengen-Zeit-Diagrammes ermitteln. Für ip hat Schoklitsch an der Mur bei Frohnleiten den Wert 0,00019, Wittmann am Rhein zwischen Basel und Kehl 0,00013 gefunden.

Später (W. K. und W. W. vom 16. Februar 1934, S. 37) hat Schoklitsch dann teils auf Grund eigener Versuche, teils jener des Amerikaners G. K. Gilbert auch für den sekundlichen Geschiebetrieb eine Formel angegeben, die sich auf der Differenz von Durchflußmengen aufbaut, dabei aber keine unsichere Abflußziffer mehr, sondern nur die ohneweiters feststellbare Geschiebekorngröße enthält. Demnach besteht zunächst für Geschiebe gleicher Korngröße zwischen dem Grenzdurch- flusse q 0 über 1 Breitenmeter des Gerinnes, dem Gefälle J und dem Korndurch­messer d die Beziehung:

0,000 019 44 d

?0 TS

(19)

worin q 0 in kg/sec, m und d in mm (!) einzusetzen ist. Mit dem so errechneten Wert q 0 wird in eine zweite Formel eingegangen, die den Geschiebetrieb über den Breiten­meter ergibt:

i 7000 3/

gkmec, rn = ___ . JV, (q q Q ). (20)

Durch das ganze Gerinne läuft dann die Geschiebemenge

Gkljsec = j3 ' 2{Q ~ B qo) (21)

worin für B jene Breite in m einzusetzen ist, in der an sich Bewegung des Geschiebes möglich ist, ohne Rücksicht darauf, daß sie sich tatsächlich nur in einem schmäleren Bereich vollzieht.

Um auch Korngemische erfassen zu können, aus denen das Geschiebe in der Natur ja immer besteht, unterteilte Schoklitsch die Mischungslinie in eine Anzahl Korngruppen mit den mittleren Durchmessern d a , d b , d e . .. mit den zugehörigen Gewichtsanteilen a,b,c ...Beim Durchflusse Q und beim Gefälle J beträgt dann der Geschiebetrieb des Korngemisches

G a -f a ' G a -\- b G b ... / Gf ...,

( 22 )

worin für G a , G b . .. der Geschiebebetrieb zu setzen ist, der sich aus den früheren Formeln (20, 21) für die einheitlichen Korndurchmesser d a , d b ... ergeben würden (Schoklitsch, a. a. O. S. 39).

Die Durchrechnung einer Anzahl von Beispielen hat gezeigt, daß man für