Aufsatz 
Die bisherige Entwicklung der Geschiebetheorien und Geschiebebeobachtungen / von Otto Lanser
Entstehung
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Otto Lanser

am Inn (Mühlhofer)

am Rhein (Nesper-V er­suchsanstalt)

Breite.

0,25 m

0,50 m

Länge.

0,45

1,00

Höhe.

0,135,,

0,25

Ein Tiefensteuer bzw. Bleigewichte sichern ein gutes Anliegen der Eintrittskante auf der Flußsohle, von dem sich der Beobachter mit Hilfe elektrischer Bodentaster überzeugen kann.

Genau wie bei Wassermengenmessungen werden nun mit diesem Fanggerät vollständige Durchmessungen des Flußquerschnitts vorgenommen, wobei die Ent­fernung der Meßlotrechten am Inn bei Kirchbichl zu 2 4 m gewählt wurde. Die Auftragung der eingefangenen Menge in kg/sec in den einzelnen Lotrechten liefert durch die Verbindung der so erhaltenen Endpunkte eine Kurve, die der V m üKurve bei Wassermessungen entspricht und deren Planimetrierung den sekundlichen Geschiebetrieb im gesamten Querschnitt ergibt. Soweit bieten sich keine grundsätzlichen Schwierigkeiten; diese erheben sich erst mit der Frage, ob die im Korb innerhalb einer bestimmten, abgestoppten Zeit gefangene Geschiebe­menge gleichzusetzen ist dem an dieser Stelle tatsächlich herrschenden Geschiebe­trieb oder in welchem Verhältnis sie dazu steht, mit anderen Worten, wieviel Prozent des an der betreffenden Stelle laufenden Geschiebes mit dem Fänger tatsächlich eingefangen werden. Die Schwierigkeit besteht darin, daß wir,streng genommen, das Fangergebnis mit jenem Geschiebetrieb vergleichen müssen, der sich ein­gestellt hätte, wenn der Fänger nicht dagewesen wäre, also mit dem un­gestörten Trieb (Einstein, S. B. Z. 1937, Oktober, S. 167). Diese Aufgabe aber konnte nur im Versuchsgerinne gelöst werden.

Sowohl am Inn wie auch zunächst am Rhein zeigte sich eine fast übereinstimmende Abhängigkeit des Fangergebnisses von der Fangdauer in der Art, daß mit deren Zunahme das Ergebnis verhältnismäßig abnahm. Mühlhofer konstruierte daraus eine Eichkurve des Fängers, die zu jeder Dauer den zugehörigen Wirkungsgrad des Geräts bzw. den wirklichen Geschiebetrieb zu entnehmen gestatten sollte. Im Zürcher Versuchsgerinne konnte jedoch eine solche Abhängigkeit von der Zeit nicht beobachtet werden. Es gelang auch, diesen Widerspruch dahingehend auf­zuklären, daß die Elastizität der Aufhängung des Geräts im natürlichen Fluß eine Schürfwirkung des Fängers erzeugt, so daß er in Ruhe befindliches Geschiebe aus der Flußsohle aufschürft und einfängt. Nach Beseitigung dieses Gerätefehlers konnte mit einem von der Fangdauer unabhängigen Wirkungsgrad des Fängers gerechnet werden, den die Zürcher Versuche im Mittel zu etwa 45% ergeben hatten.

Bei allen Messungen zeigten sich ferner Schwankungen in der Stärke des Ge­schiebetriebs an ein und derselben Stelle, die z. B. am Rhein Wellen von etwa zweistündiger und solche von nur wenigen Minuten Schwingungsdauer erkennen ließen. Zur Bildung eines zutreffenden Mittelwertes ist es daher erforderlich, so viele Messungen nacheinander an derselben Stelle vorzunehmen, daß die Fang­dauer die ganze Schwingungszeit umfaßt; in den Lotrechten mit dem stärksten