Aufsatz 
Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin / von Eduard Merlicek
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen

Die Geschichte der Technik als Lehrmeisterin

85

meter. Die Angaben des Aventinus stimmen bis auf wenige Kilometer, um die seine Angaben etwas kleiner sind.

Die nächste Nachricht über den See stammt aus dem Jahre 1568. In diesem Jahre ging das Wasser weit zurück und war nur mehr in so geringer Menge vor­handen, daß die Fische immer weniger wurden. Es wurde deshalb eine Kom­mission mit dem Aufträge entsendet, die Ursache dieser Erscheinung zu er­forschen. Diese Kommission berichtete, daß das Wasser seit zehn Jahren um mehrere hundert Klafter zurückgewichen ist, und fand die Ursache darin, daß die Witwe des Grafen Thomas Nadasdy das Wasser der Rähnitz abwärts leiten ließ. Auf Antrag der Kommission ordnete die Hofkannner an, daß die Ilabnitz, wie ehedem, wieder in den See geleitet werde.

Diese Aufzeichnung müssen wir festhalten; wir wollen später noch darauf zurückkommen. Indessen beschäftigt uns noch eine Urkunde aus dem Jahre 1681, mit der die Marktgemeinde Rust zur Freistadt erhoben wird, nachdem sie einen Betrag von 60.000 Talern zum Großteil in Gold erlegt und überdies 500 Eimer erlesenen Weines an die kaiserliche Hofhaltung geliefert hatte. Über diese Leistung gewinnen wir eine beiläufige Vorstellung, wenn wir sie mit unserem Gelde bewerten: es sind dies mindestens 300.000 Schilling. Welcher Wohlstand spricht uns hier an! Es muß wohl ein reicher Handel gewesen sein, der solche Schätze in die Gemeindekasse eingebracht hatte. Wie viele gute Weinjahre müssen dieser Begebenheit vorangegangen sein! Natürlich interessiert uns hier, wie damals der Neusiedler See beschaffen war. Wir finden, daß er seine volle Breite eingenommen hat, denn etwas früher schon, im Jahre 1677, hatte er bei Rust die Breite von 3830 Klaftern erreicht, jedenfalls ein bemerkenswertes Maß, weil es auf dem Stadtturm zu Rust unter der angeführten Jahreszahl eingetragen ist. Danach war damals der Wasserstand fast so groß wie in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts; nach der Spezialkarte dieser Zeit betrug die Breite des Sees 7295 m, das sind 3847 Klafter. Auch diese Zeit ist durch ganz hervorragende Weinernten ausgezeichnet.

Nach diesem kleinen Vorsprung in das 19. Jahrhundert kehren wir wieder zu unserer Zeitfolge zurück. Im Jahre 1693 fing das Wasser an abzunehmen, und trotz der vielen Niederschläge war ein langsames Zurückgehen des Wassers augenscheinlich. Vom Jahre 1728 angefangen nahm das Wasser schneller ab. Tm Jahre 1736 hat ein Binder gewettet, daß er den See durchwate, und die Wette gewonnen. 1740 war der See fast trocken. Die Leute gingen schon mit dem Gedanken um, das trockene Seebett zu bebauen, doch der unbeständige See durchkreuzte ihren Plan, das Wasser kehrte zurück.

In den Jahren 1768 und 1769 stieg das Wasser immer höher, worüber mehr­fache Berichte übereinstimmendes Zeugnis abgeben. Den höchsten Wasserstand erreichte der Neusiedler See im Jahre 1786, da er eine größere Fläche einnahm als je zuvor, wie Halasy berichtet.

Der Ingenieur des Ödenburger Komitats, Johann Hegedüs, berichtet im Jahre 1797, daß viele aus dem Wieselburger Komi tat auswanderten, da ihr Lebens­erwerb, der Heuhandel nach Wien, dadurch zerstört wurde, daß ihre Wiesen alle unter Wasser standen.