Aufsatz 
Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft / von Jakob Baxa
Entstehung
Seite
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Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft

notwendig. Daneben blieb die Erzeugung für den Export dem freien Belieben jeder einzelnen Fabrik überlassen.

Am 8. Juli 1891 kam nun der erste, später berühmt gewordeneKartellvertrag der Zuckerraffinerien vom Juli 1891 zustande, an dessen Fertigstellung Dr. Richard Skene hervorragenden Anteil genommen hatte. Darin kamen die Zuckerfabriken überein, im Betriebsjahr 1891/92 in dem gemeinsamen Zoll- und Handelsgebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie kein größeres Quantum als 2300000 dz Zucker zu versteuern und in Verkehr zu setzen. Davon entfielen auf die Fabriken in Böhmen 900000 dz, auf jene in Mähren, Niederösterreich, Schlesien und Galizien 950000 dz und auf jene in Ungarn 450000 dz. Die im Kartellvertrag festgesetzte Quote für die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken A. G. betrug 132000 dz. In der vorhergegangenen Kampagne 1890/91 wurden von der Gesellschaft insgesamt

273981 dz verkauft, wovon. 109100 dz

auf den Export und. 164881

auf den Inlandverkehr entfielen. Summe 273981 dz

Durch den Beitritt zum Kartell erlitt die Firma daher eine Einschränkung der Inlandsquote um 32 881 dz, ein Opfer, das sie der Gesamtheit der In­dustrie brachte.

Der erste Kartell vertrag vom 8. Juli 1891 übte sofort einen wohltätigen Einfluß auf die Beständigkeit der Produktion aus. Er wurde am 28. März 1893 durch das Übereinkommen vom März 1893 über die Erneuerung des Kartells der Zucker­raffinerien verlängert, worin die gesamte Inlandsmenge bereits auf 2703585 dz und die Leipnik-Lundenburger Quote auf 136919 dz erhöht werden konnte. Für die Kampagne 1894/95 scheiterte jedoch die geplante Verlängerung der Kontingen­tierung infolge der Errichtung neuer Raffinerien und der gesteigerten Ansprüche einzelner kontingentierter Fabriken. Die Folge davon war ein empfindlicher Rück­gang des Inlandspreises, aus dem kaum die Produktionskosten gedeckt werden konnten. Durch diese Erfahrung gewitzigt, nahmen die Fabriken die Verhand­lungen wieder auf und brachten für die beiden folgenden Kampagnen neue Über­einkommen zustande, bis schließlich am 26. Juli 1897 das große Zuckerkartell auf einen vollen Zeitraum von fünf Jahren abgeschlossen wurde, an dem fast die gesamte Zuckerindustrie Österreich-Ungarns beteiligt war.

Dr. Richard von Skene nahm an allen diesen schwierigen Verhandlungen einen führenden Anteil und die Direktion der Gesellschaft sah sich veranlaßt, ihm in diesen Jahren wiederholt ihren Dank und ihre Anerkennung für den Eifer aus­zusprechen, mit dem er die Geschäfte führte. Wir sehen ja heute in diesen alten Kartellverträgen nur die friedlichen, für die einzelnen Fabriken vereinbarten Produktionsziffern, aber dahinter bergen sich doch Sitzungen von unendlich langer Dauer bis ins Morgengrauen und Redeschlachten von homerischem Ausmaß; denn die einzelnen Fabriken kämpften doch untereinander mit zäher Hartnäckigkeit um jeden Doppelzentner Zucker, bevor die endgültige Einigung zustande kam.

Eine große Sorge aber bereitete in dieser Zeit der Direktion schon das künftige Schicksal der Leipniker Stammfabrik. Im Gegensatz zu ihrer hohen Erzeugung