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•Jakob Baxa
auch in den beiden von Österreich militärisch besetzten Provinzen Parlamentswahlen durchführen. Um dies zu verhindern, erklärte Kaiser Franz Josef am 5. Oktober 1908 einseitig die Annexion von Bosnien und Herzegowina. Darauf verhängten die Jungtürken einen Boykott über alle österreichischen Waren.
Nach der Stillegung von Leipnik besaß die Firma als Rohzuckerversorgungsquelle der Lundenburger Raffinerie nur die Leopoldsdorfer Fabrik in Nieder Österreich. Da gelang es ihr, im Jahre 1911 neuerdings in Mähren festen Fuß zu fassen, und zwar durch Erwerb der beiden Zuckerfabriken Kwassitz und Wschetul, die sich zum größten Teil im Besitz der Industriellenfamilie von Proskowetz befanden, deren Mitglieder in der Geschichte der österreichischen Zuckerindustrie eine bedeutende Rolle spielen. Zu diesem Zwecke wurde zufolge Beschlusses der Generalversammlung vom 23. Oktober 1911 das Aktienkapital von K 4800000,— auf K 6000000,— erhöht. Da aber die im Jahre 1850 gegründete Fabrik in Kwassitz in dem mit Fabriken dicht besiedelten Mähren an dem gleichen Übel einer ganz unzulänglichen Rübenanbaufläche wie die stillgelegte Leipniker Zuckerfabrik litt, faßte die Firma von vornherein schon bei den Ankaufsverhandlungen den Entschluß, Kwassitz wegen des unrentabel gewordenen Betriebes stillzulegen und die Kwassitzer Rübe in Wschetul zu verarbeiten. Demzufolge wurde der Betrieb in Kwassitz nach der Kampagne 1912/13 eingestellt und ein Teil der Kwassitzer Einrichtung nach Wschetul übertragen.
Da die Tätigkeit des Zuckerkartells in der Öffentlichkeit, hauptsächlich in den Zeitungen, heftig angegriffen wurde, sah sich das k. k. Handelsministerium veranlaßt, eine Kartellenquete einzuberufen, die vom 27. bis 29. Februar 1912 zu Wien tagte. Der damalige Kleinhandelspreis für ein Kilogramm Würfelzucker betrug eine Krone, und das schien den Konsumenten viel zu hoch. Man machte dem Kartell den Vorwurf, daß es den Zucker übermäßig verteure. Die Industrie wies aber nach, daß sie nur den gesetzlichen Zollschutz von K 5,65 ausnutze, was keine strafbare Handlung wäre. Die eigentliche Ursache des hohen Zuckerpreises sei die staatliche Zuckersteuer, die bei einem Kilo Würfelzucker 38 Heller betrage. Der Staat war jedoch zu einer Herabsetzung der Steuer aus fiskalischen Gründen nicht zu bewegen. Namens der Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken A. G. nahm auch Dr. Skene als Experte an dieser Enquete teil. Er beteiligte sich auch lebhaft an der Wechselrede. Als der Vorschlag auftauchte, daß die Regierung oder eine einzusetzende Behörde, kurz ein staatliches Amt das Recht besitzen solle, Kartellbeschlüsse, die volkswirtschaftlich nachteilig wären, zu untersagen, erwiderte er hierauf mit folgenden, für seine ganze Gesinnung so bezeichnenden Worten: „Ich glaube, daß eine derartige Beschränkung der Freiheit der Industrie und auch des Handels überhaupt unakzeptabel ist. Es erscheint ganz ausgeschlossen, daß die Industrie von Strömungen, die sehr wechseln, abhängig und darauf angewiesen sein soll, daß die Preise und die Bedingungen ihr jeweils von einer Kommission gestattet werden. Ich glaube, das würde jede Entwicklung der Industrie unmöglich machen.“
Der ^wirtschaftliche Aufstieg der Fabriken spiegelt sich in den folgenden Tabellen: