Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft
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wurde Lundenburg im Jahre 1930 stillgelegt, hingegen Wschetul zu einer modernen Raffinerie ausgestaltet.
Leopoldsdorf war 1901 als Rohzuckerfabrik gebaut worden, aber da man jetzt in der Republik Österreich konsumfähige Ware brauchte, wurde sie stufenweise in eine Raffinerie umgebaut. In der Kampagne 1921/22 nahm sie die Kristallzuckererzeugung und 1922/23 die Würfelzuckererzeugung auf.
Da der Umbau der Leopoldsdorfer Rohzuckerfabrik besonders in den späteren Etappen gewaltige Summen erforderte, wurde durch einen Beschluß der Generalversammlung vom 5. Mai 1923 das Aktienkapital von K 6000000,— auf K 12000000,— erhöht.
Nach Liquidation der Österreichischen Zuckerstelle am 1. März 1922 und Wegfall der staatlichen Bewirtschaftung galt es vor allem, die Rübenanbauer durch eine kluge Preispolitik zur Ausdehnung des Rübenbaues zu gewinnen. Da die Landwirte in jenen Tagen der steigenden Zuckerpreise an der aufsteigenden Konjunktur des Endproduktes Anteil nehmen wollten, vereinbarten die Zuckerfabriken unter Führung von Dr. Richard Skene mit den Rübenanbauern erstmalig für die Kampagne 1922/23 eine derartige Preisfestsetzung, daß sich der Rübenpreis nach dem Zuckerpreis in den Herbstmonaten richten und von ihm abhängen solle, wobei für die Vergütung des Zuckers in Geld gewisse Durchschnittsnotierungen der Wiener Warenbörse vereinbart wurden. Diese Preisbildung hat sich derart eingelebt, daß sie bis zur Kampagne 1937/38 unverändert in Geltung blieb. Sie hat zum Wiederaufstieg des Rübenanbaues in Österreich wesentlich beigetragen.
Als Ersatz für das frühere Zuckerkartell schlossen sich die vier niederösterreichischen Fabriken im Jahre 1922 zu einer Verkaufs Vereinigung zusammen, mit deren Führung die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken A. G. betraut wurde, die somit den größten Teil der inländischen Produktion als Treuhänderin verkaufte und die anderen Fabriken nach Maßgabe ihrer jeweiligen Erzeugung an dem durch diesen Verkauf erzielten Gesamterlöse beteiligte. Da die Zuckerfabrik Dürnkrut als einzige von allen anderen damals nur Rohzucker erzeugte, wurde mit ihr ein weiteres Abkommen getroffen, demzufolge sie sich verpflichtete, zwei Drittel ihrer Erzeugnisse nach Leopoldsdorf zur Raffination zu liefern, wogegen ihr ein der Rohzuckerausbeute entsprechendes Weißzucker quantum in Geld verrechnet wurde. Eine Fabrik sprang später aus der Verkaufs Vereinigung aus und die drei Fabriken Hirm, Siegendorf und Enns hatten sich von vornherein in ihrer Preis- und Verkaufspolitik freie Hand Vorbehalten, aber trotzdem haben sie alle die von der Verkaufsvereinigung festgesetzten Preise eingehalten und nie unterboten, so daß es niemals zu einem Konkurrenzkampf unter den Fabriken kam. Die Verkaufs Vereinigung ging bei der Preisfestsetzung von dem tschechoslowakischen Exportpreis ab Lundenburg aus, zu dem der österreichische Zuckerzoll, die Fracht Lundenburg—Wien und die Kosten der Transportversicherung geschlagen wurden, so daß man den tschechoslowakischen Preis in Wien erhielt. Dieser wurde dann immer um eine kleine Spanne unterboten, um den tschechoslowakischen Zucker, solange der Eigenbedarf aus der österreichischen Erzeugung noch nicht gedeckt war, zu konkurrenzieren. Nach voller Bedarfsdeckung des österreichischen Verbrauches durch die heimische Erzeugung wurde durch diese geschickte Preispolitik die Einfuhr des