Aufsatz 
Die Leipnik-Lundenburger Zuckerfabriken-Actiengesellschaft / von Jakob Baxa
Entstehung
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Jakob Baxa

Zuckerfabrik Dürnkrut Rohzucker dz

1902/03 . 62674

1906/07 . 86290

1912/13 . 100558

1925/26 . 114903

1928/29 . 191349

1930/31 . 254004

1934/35 . 316444

1935/36 . 287 237

Mit der Zuckerfabrik Dürnkrut war seit alters eine eigene Ökonomie verbunden, die Robert von Schoeller aufs sorgfältigste betreute. Jede Woche fuhr er zur Inspektion in die Fabrik, wo er sich eingehend vom Stande der Arbeiten überzeugte. Sodann ging er hinüber in den Meierhof, wo er einen Rundgang durch die Ställe machte und das Vieh besichtigte. Hierauf fuhr er in einem Steirer wagen zur Über­prüf mig des Standes der Saaten auf die Felder bis zu den entlegensten Vorwerken hinaus. Die Auswahl des besten Saatgutes und Nutzviehes, der oft zähe Handel mit den schlauen und verschlagenen Viehhändlern aus Vorarlberg und Tirol, der Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte zum günstigsten Zeitpunkt, das war so recht seine Freude, wie überhaupt der Landwirtschaft seine große, heimliche Liebe galt. So hat er im Laufe der Jahre aus der Ökonomie Dürnkrut eine sehens­werte Musterwirtschaft gemacht und genoß als rationeller Landwirt das höchste Ansehen in allen beteiligten Kreisen. Es war sicher der größte Schmerz seines Lebens, als die Ökonomie infolge der kriegerischen Ereignisse im April 1945 nicht nur ihres gesamten Viehstandes beraubt wurde, sondern auch vom toten Inventar die meisten Maschinen und Gerätschaften verlor, so daß damals buchstäblich nur die leeren Ställe und Scheunen sowie die kahlen Felder übrigblieben.

In den Katastrophentagen von 1945, wo ja alle politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse noch ganz unsicher waren und man überhaupt nicht wußte, was aus der ganzen Zuckerindustrie werden würde, lag eine sehr schwere und große Ver­antwortung auf seinen Schultern. Er hat sofort alle notwendigen und erforderlichen Maßregeln ergriffen und insbesondere alle finanziellen Transaktionen vorgenommen, um den Weiterbestand des so schwer geschädigten Unternehmens zu sichern. Am 31. März 1948, als der Wiederaufbau schon weit fortgeschritten und für die Zukunft nichts mehr zu fürchten war, trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Er erlebte noch die große Freude der Wiederinbetriebnahme des Leopoldsdorfer Werkes und starb am 7. Juni 1950 zu Wien, von einer zahllosen Trauergemeinde zu Grabe geleitet.

Der Geschichtschreiber hat bisher nur von den Toten erzählt, aber jetzt, wo die Darstellung immittelbar an die Schwelle der Gegenwart herantritt, muß auch der Name des Mannes genannt werden, mit dem der technische Wiederaufbau der beiden zerstörten Werke Dürnkrut und Leopoldsdorf untrennbar verbunden ist. Es ist dies der gegenwärtige oberste Leiter der Leipnik-Lundenburger Zucker­fabriken A. G., Dipl.-Ing. Paul Ferstel. Er wurde am 12. April 1896 zu Wien geboren und entstammt einer angesehenen Familie. Heinrich Freiherr von Ferstel (1828 bis 1883), der Erbauer der Votivkirche und Wiener Universität sowie