Aufsatz 
Die Entwicklung der Zuckererzeugung mit besonderer Berücksichtigung Österreichs / von Rolf Niederhuemer
Entstehung
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Die Entwicklung d. Zuckererzeugung mit besonderer Berücksichtigung Österreichs 35

glasierte Zuckerhutformen (zirka 30 Zoll hoch) eingefüllt. Diese Formen hatten an der Spitze Löcher, die mit Leinwandpfropfen zugestopft wurden. Sobald der Zucker abgekühlt und die Kristallisation somit beendet war, wurden die Pfropfen entfernt, damit der ,,grüne Sirup abfließen konnte. Nach etwa acht Tagen wurde dann wieder mit einer Schicht eisenfreien Tones oder mit einer dünnen Zuckerlösung gedeckt, bis die Zuckerhüte die gewünschte Reinheit hatten. Jetzt nahm man sie aus den Formen, drehte in Maschinen die Spitzen, die noch immer etwas Sirup enthielten, ab und stellte die Zuckerhüte dann in die Trockenkammer, die auf einer Temperatur von etwa 50° C gehalten wurde. Je nach Reinheit wurde der Hutzucker nun in Raffinade-, Melis-, Lumpen- und Farin-Zucker eingeteilt.

Daneben wurde in den Raffinerien auch Kandiszucker erzeugt, wobei in die nicht so stark eingekochte Zuckerlösung Bindfäden eingehängt wurden, an denen sich bei langsamer Kristallisation große Zuckerkristalle bilden konnten.

1747 veröffentlichte Andreas Siegmund Marggraf, ein Schüler des Begründers der Phiogistontheorie Georg E. Stahl, in einer Schrift der königl. Preuß. Akademie der Wissenschaften seine Versuche, wonach er in den Zuckerrüben kristallisierbaren Zucker gefunden hatte, der genau dieselben Eigenschaften aufwies, wie der aus dem Zuckerrohr erzeugte. Bereits in dieser Schrift wies er auf die Möglichkeit der Aus­wertung im Großen hin.

Die praktische Erprobung blieb aber erst Franz Car], Achard, seinem Schüler und Nachfolger, Vorbehalten, der 1801 das schlesische Rittergut Cunern erwarb und darauf die erste Zuckerrübenfabrik erbaute. Er befaßte sich nicht nur mit der technischen Durchführung der Zuckergewinnung aus den Runkelrüben, sondern auch mit der Verbesserung des Anbaues dieser Rüben und gab für die Landwirte ein besonderes Flugblatt zu diesem Zweck heraus.

Die gewaschenen Rüben wurden in Scheiben geschnitten, mit Kalkwasser oder auch gewöhnlichem Wasser zwei Stunden gekocht und dann ausgepreßt. Das Wasser und der ausgepreßte Saft wurden noch heiß durch ein Tuch geseiht und dann in Kupferkesseln eingekocht. Der gebildete Schaum wurde entfernt, nochmals Kalk zugegeben und weitergekocht. Dann wurde noch einmal durch wollene Tücher filtriert und dann zu Sirupkonsistenz eingedampft. Diesen Sirup nun stellte man in flachen Schalen in warmen Räumen auf und überließ ihm der Kristallisation. Wenn diese beendet war, wurde die Melasse durch Auspressen in feuchter Leinwand entfernt. ,

Der Rohzucker wurde in den Kolonialzuckerraffinerien nun genau so raffiniert wie der indische Rohrzucker.

Auch aus Ahornbäumen versuchte man Zucker zu gewinnen, indem man sie im Frühjahr einige Zentimeter über dem Boden anbohrte und den abfließenden Saft mit etw as Kalkwasser kochte und dann eindickte. Den so erhaltenen Sirup ließ man dann in flachen Schalen kristallisieren.

1797 wurden darüber von Prof. Hermbstädt in Berlin Versuche gemacht und Carl Böhringer arbeitete seit 1807 in Böhmen (Nassaberg) erfolgreich nach diesem Verfahren.

Ebenso versuchte man aus den Stengeln des Mais kristallisierbaren Zucker zu gewönnen, was aber mißlang.