36
Rolf Niederhuemer
Die ersten Versuche der Zuckergewinnung aus Runkelrüben in Österreich wurden 1800 von Prof. Freih. v. Jacquin im Botanischen Garten in Wien auf Anordnung des damaligen Finanzministers Graf Sauratj durchgeführt.
Die älteste Zuckerrübenfabrik entstand dann in St. Pölten 1803 unter der Leitung von Dr. Ries.
1810 war Hofrat Johann Waykarth der zweite, der auf niederösterreichischem Boden eine Rübenzuckerfabrik errichtete, und zwar in Inzersdorf.
Die Beschreibung des Fabrikations Vorganges in dieser Fabrik gibt ein ungefähres Bild über die technischen Einrichtungen zu dieser Zeit.
Die Zerkleinerung der Rüben erfolgte mit zwei Walzen, in die der Länge nach Sägen eingelassen waren und die durch ein Räderwerk in schnelle Umdrehung versetzt wurden. Die Antriebskraft lieferten drei Pferde. Über diesen Walzen waren Kästen aus Holz angebracht, in die die Rüben eingefüllt wurden und nun mit dem Eigengewicht auf die Walzen drückten.
Später wurde diese Zerkleinerungsmaschine verbessert und diese Walzen durch zwei vertikal stehende mit starken Reibeisen versehene Scheiben ersetzt, die die Rüben zu einem Brei zerrieben. Anschließend wurde dieses Mus in einer gewöhnlichen Presse ausgepreßt.
Die Reinigung erfolgte mit Schwefelsäure in Holzbottichen und anschließend, nach Neutralisation mit Kreide, in Pfannen aus verzinntem Eisenblech, die in hölzerne Bottiche eingepaßt waren und mit Wasserdampf geheizt wurden. Nach Entfernung der Schaumdecke wurde der weinklare Saft in Verdampfungspfannen, die genau so gebaut waren wie die Klärpfannen, auf Sirupdicke eingedampft.
Anschließend wurde der Saft in Sedimentiergefäßen stehengelassen, um den entstandenen Gips ganz abzuscheiden. Darnach wurde, so wie früher beschrieben, der Zuckersirup zur Kristallisation in flachen Gefäßen stehengelassen. Die Kristallmasse wurde in kleine Säcke gefüllt und in einer Presse ausgepreßt, der Zucker mit ein wenig heißem Wasser angemaischt und noch einmal gepreßt und dann getrocknet.
Immer noch war die ungenügende Reinigung des Saftes der große Nachteil, der ein starkes Eindampfen verhinderte, und die letzte Konzentration nur durch ein Verdunsten in stark erhitzten Räumen in flachen Schalen ermöglichte, was natürlich viel Zeit erforderte.
Die Ausbeute an Zucker war etwa 3—4%, bezogen auf das Gewicht der Rüben.
Die 1806 verhängte Kontinentalsperre war für die Zuckerrübenfabrikation ein großer Aufschwung, die jedoch mit ihrem Ende (1813) auch für diese Fabriken zu einem Großteil das Ende bedeutete. Es wurden nun nur Raffinerien gebaut und zu dieser Zeit — 1818 — baute man auch in Wien eine Kolonialraffinerie, die von einem Mitarbeiter des Engländers Howard auf das modernste eingerichtet wurde. Damals kamen erstmals die Vakuumverdampfung und die Filterpresse, beides Erfindungen von Howard, nach Österreich.
Ein Wiederaufleben der europäischen Rübenzuckerindustrie war erst von dem Augenblick an zu bemerken, als verschiedene Staaten dem Rübenzucker Steuerbefreiung gewährten. So wurde auch in Österreich durch einen Erlaß Kaiser Franz I. vom 11. Jänner 1831 die inländische Zuckererzeugung auf zehn Jahre von der Entrichtung einer Erwerbsteuer befreit.