Aufsatz 
Die Entwicklung der Zuckererzeugung mit besonderer Berücksichtigung Österreichs / von Rolf Niederhuemer
Entstehung
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Rolf Niederhuemer

vor man sie verarbeitet. Sie wurden dann mit verdünnter Kalkmilch angefeuchtet und dann mit heißem Wasser (70° R) ausgelaugt.

Auch mit kaltem Wasser versuchte man die Rübenschnitzel auszulaugen (Pelle- tan), was jedoch kein günstiges Resultat lieferte.

Das Diffusionsverfahren, das den Ausgangspunkt der hohen Entwicklung der Zuckerindustrie weiterhin bildete, wurde von Julius Robert (geb. 1826 in Himberg zu Wien), dem Sohne Florentest Roberts, entwickelt. 1856 begann J. Robert in der Selowitzer Zuckerfabrik zusammen mit August Müller, dem damaligen Fabrikchemiker, mit Versuchen der Saftgewinnung durch Diffusion. 1864/65 wurde der erste Großversuch angestellt, bei dem Fachmänner des In- und Aus­landes anwesend waren. Bei der Kampagne 1865/66 wurde bereits mit einer eigenen Diffusionsbatterie die Saftgewinnung durchgeführt. Die Diffuseure, die zu einer Batterie zusammengeschlossen waren, bestanden aus zylindrischen, oben konischen Gefäßen aus Eisenblech, die miteinander durch Übersteigrohre verbunden waren. Die Entnahme der entzückerten Schnitzel erfolgte dann seitlich unten. Die Aus­laugung mit heißem Wasser erfolgte im Gegenstromprinzip ähnlich dem Dombasle- Verfahren.

1868 war das RoBERTsche Diffusions verfahren bereits in 14 österreichischen und in zehn deutschen Fabriken eingeführt. Wenn auch vor Robert schon einige sich mit diesem Problem beschäftigt haben, so ist es doch unzweifelhaft Robert gewesen, der es in eine wirklich fabrikmäßig anwendbare Form gebracht hat, was ja durch die rasche Ausbreitung dieser Methode erwiesen wurde.

Seit dem Jahre 1888 arbeitet die österreichische Zuckerindustrie ausschließlich nach dem Diffusionsverfahren. Prinzipielle Änderungen in der Rübenzucker­fabrikation gab es nun eigentlich nicht mehr. Natürlich wurden die einzelnen Maschinen verbessert und vor allem vergrößert und leistungsfähiger gemacht. Eine Verbesserung, und zwar eine sehr wichtige, wäre auch noch zu erwähnen, die Ver­besserung an der Zuckerrübe selbst, die durch Züchtung und vor allem durch eine starke Düngung von einem Zuckergehalt von 5% auf einen Gehalt von 1620% veredelt wurde.

In kurzen Worten nun noch den Fabrikationsgang von Rübenzucker in einer modernen Fabrik.

Nach der Wäsche der Rüben kommen diese über eine automatische Waage in die Schneidemaschine, wo sie zu nudeligen Schnitzeln mit dreieckigem Querschnitt gehobelt werden. In Diffusionsbatterien aus acht bis zehn Diffuseuren werden sie im Gegenstromprinzip mit 7080° C heißem Wasser ausgelaugt. Dieses wird in Röhrenerhitzern, sogenannten Kalorisatoren, immer wieder auf ge wärmt. Die aus­gelaugten Schnitzel werden getrocknet und als Viehfutter verwendet. Der Saft wird mit Kalkmilch vermengt und darnach in sogenannten Saturationspfannen mit Kohlensäure gesättigt. Nachdem auf 95° C erwärmt wurde, wird in Filterpressen durch Tücher filtriert, wobei nun mit dem Kalziumkarbonat ein Großteil der Kolloid­stoffe, der Phosphorsäure, der Oxalsäure und der Farbstoffe entfernt wird. Diese Saturation wird meist wiederholt, es wird abermals filtriert und nun