Aufsatz 
Österreichs Beitrag zur ersten Herstellung von Radiumverbindungen im großen durch das Ehepaar Curie / von E. A. Kolbe
Entstehung
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E. A. Kolbe

farbenfabrik 4 übertragen worden war. In dieser Fabrik wurden im erwähnten Zeiträume jährlich rund drei Waggons, gleich 30000 kg, Uranpecherz, welches von den zugehörigen Gruben des dortigen Bergbaureviers geliefert worden war, ver­arbeitet. Das Uranpecherz oder die Pechblende besaß einen durchschnittlichen Gehalt von etwa 50% U 3 0 8 5 , wobei bemerkt wird, daß diese Formel nur annähernd richtig ist 6 . St. Joachimstal war damals der wichtigste Fundort für das Uran­pecherz. Dieses Uranerz war das technisch bestgeeignete Ausgangsmaterial für die

Bild 1. Ing. Gustav Kroupa (18571935).

Gewinnung aller Uranverbindungen. In dieser Fabrik wurde das zerkleinerte Erz nach einem dort erprobten Verfahren 7 verarbeitet und die im weiteren Verlauf erhaltene Reaktionsmasse mit Wasser vollständig ausgelaugt. Die wässerige Lösung enthielt die gesamten Uranverbindungen, welche nach einer chemischen Methode

4 BroschüreSt. Joachimstal, III. Abschnitt,Die staatliche Uranfarben- und Radiumpräparatenfabrik. Herausgegeben vom k. k. Ministerium für öffentl. Arbeiten in Wien, 1911, S. 41 f.

5 M. Kraus, a. a. O., ferner F. Soddy, Die Natur des Radiums, übersetzt von Prof. G. Siebert, S. 22. Leipzig 1909.

6 K. A. Hofmann und U. R. Hofmann, Anorganische Chemie, 9. Aufl., S. 583, 1941, ferner Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie, 8. Aufl.,Radium und Isotope, System Nr. 31, S. 7. 1928.

7 Ausgearbeitet vom St. Joachimstaler Hüttenchemiker Adolf Patera im Jahre 1852, siehe BroschüreSt. Joachimstal, II. Abschnitt, S. 34.