Aufsatz 
Österreichs Beitrag zur ersten Herstellung von Radiumverbindungen im großen durch das Ehepaar Curie / von E. A. Kolbe
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Herstellung von Radiumverbindungen im großen durch das Ehepaar Curie

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ausgefällt und dann verwertet wurden. Der in den sogenannten Filterbeuteln ver­bliebene nasse, praktisch uranfreie Rückstand wurde als Laugerzrückstand bezeich­net. In der St. Joachimstaler Uranfarbenfabrik wurden mehrere Sorten Uranoxyd erzeugt, welche z. B. zum Gelbfärben von schön grün fluoreszierenden Glasflüssen sowie in der Porzellanindustrie zur Herstellung braunschwarzer Verzierungen oder Aufschriften auf Gefäßen und Gebrauchsgegenständen verwendet wurden. Außer­dem wurde dort auch Uranylnitrat hergestellt, welches unter dem Namen Uran­nitrat in den Handel gelangte. Kroupa hatte bald nach seinem Dienstantritt in der Uranfarbenfabrik wahrgenommen, daß die dort abfallenden Laugerzrückstände als wertlos betrachtet und deshalb aus den Filterbeuteln in die vorbeifließende Wesseritz entleert wurden. Sie gingen daher gänzlich verloren. Bei der Unter­suchung dieser Laugerzrückstände im Probiergaden so nannte man früher das dortige Werkslaboratorium fand er, daß sie einen geringen Silbergehalt besaßen, weshalb er beabsichtigte, sie nach Ansammlung größerer Mengen in der Schmelz­hütte des Staatlichen Montanwerkes in Pribram auf Edelmetall verarbeiten zu lassen. Die Ansammlung dieser Laugerzrückstände erfolgte im St. Joachimstaler Werk ohne höheren Auftrag, nur auf Veranlassung von Kroupa. Bei der Uran­farbenfabrik wurden damals monatlich 800 bis 850 kg oder jährlich rund 1 Waggon gleich 10000 kg solcher Rückstände erhalten. Zur Zeit, als Kroupa mit der An­sammlung der Laugerzrückstände begonnen hatte, es war dies im Jahre 1896, dachte niemand daran, daß in diesen Rückständen bisher noch unbekannte chemische Elemente enthalten sein könnten. Die noch im Jahre 1896 erfolgte Entdeckung Becquerels, daß Uransalze eine eigentümliche Art von Strahlen aussenden, die ähnlich wie die im Jahre 1895 von Röntgen entdeckten X-Strahlen auf eine photo­graphische Bromsilberschicht einwirken, ließ damals keinen Schluß auf eine etwa mögliche Verwertung der praktisch von Uran Verbindungen freien Laugerzrück­stände zu. In der ersten Jahreshälfte 1898 hatte zuerst Frau Curie darauf hinge­wiesen, daß die Pechblende möglicherweise ein Element enthalten könnte, das weit radioaktiver als das Uran ist. Gegen Jahresmitte 1898 hatte sie in gemeinsamer Arbeit mit ihrem Gatten aus der Pechblende eine Substanz gewonnen, welche nach beider Meinung ein noch nicht beschriebenes Element enthielt, welches sie, falls sich sein Vorhandensein bestätigen sollte, Polonium nannten. Pierre und Marie Curie entdeckten in der Pechblende in der zweiten Jahreshälfte 1898 jenes wichtige neue chemische Element, welchem sie den Namen Radium gaben. Am 29. Oktober 1898 übersandte das Ackerbauministerium in Wien der ihm unterstellten Berg- und Hüttenverwaltung in St. Joachimstal mehrere Briefe von Pierre Curie in Paris, welche er an das genannte Ministerium gerichtet hatte, zur weiteren Er­ledigung. Sie bezogen sich auf die Überlassung von St. Joachimstaler Laugerz­rückständen. Nach Kroupas Angaben soll eines dieser Schreiben ungefähr folgenden Inhalt aufgewiesen haben:Wir haben ein neues Element aufgefunden. Wir möchten es in größerer Menge aus den St. Joachimstaler Rückständen, die nach der Extraktion des Urans verbleiben, herstellen. Wir wären Ihnen dank­bar, wenn Sie uns eine größere Menge solcher Rückstände überlassen, am besten schenken würden, weil wir derzeit nicht in der Lage sind, sie zu kaufen. Kroupa, dem die Erledigung dieses Schreibens oblag, machte seinem Vorstande, Bergrat