Herstellung von Radiumverbindungen im großen durch das Ehepaar Curie
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daraus hergestellten Radiumpräparate gelangten sodann in das Radiuminstitut der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien 14 , wo sie seither Forschungszwecken dienen. Von der verbliebenen Rückstandsmenge wurden kleinere Teilmengen an Kranke für Radiumkompressen abgegeben, der Rest jedoch zurückbehalten. Diese damals verbliebenen Restmengen sowie die später in der Uranfarbenfabrik laufend abgefallenen Laugerzrückstände wurden von 1907 angefangen in der der Sankt Joachimstaler k. k. Berg- und Hüttenverwaltung angegliederten, unter der Leitung von Dr. Ulrich gestandenen Radiumpräparatenfabrik auf Radiumchlorid, Radiumbromid, Radiumkarbonat und Radiumsulfat verarbeitet. Die in Sankt Joachimstal hergestellten Radiumpräparate besaßen in Anpassung an den späteren Verwendungszweck einen mehr oder minder hohen Gehalt an Reinsubstanz. Dementsprechend wurden auch die Preise für die zu verkaufenden Mengen festgesetzt. Vor dem ersten Weltkrieg wurde für ein Gramm reines Radiumchlorid ein Preis von über 400000 österreichischen Kronen erzielt. Eine Teilmenge dieses Salzes wurde sogar zum Preise von 428000 österreichischen Kronen je ein Gramm abgegeben. Wurde z. B. ein Radiumpräparat mit einem Reingehalt von zehn Milligramm Radiumchlorid verkauft, so belief sich der Verkaufspreis auf rund 4000 österreichische Kronen. Die St. Joachimstaler Radiumpräparatenfabrik stand mit ihrer Produktion in der ganzen Welt bis zum Aufblühen der amerikanischen Radiumindustrie an erster Stelle. Die größten Mengen von Radiumverbindungen wurden nach dem ersten Weltkriege in einer in Belgien errichteten Anlage gewonnen, in welcher Uranerze aus dem Gebiete von Katanga in Belgisch-Kongo verarbeitet wurden. Die Preise für Radiumpräparate wurden durch die belgische Produktion verbilligt. Derzeit ist man in der Medizin bei bestimmten Behandlungsfällen nicht mehr unbedingt auf Radiumverbindungen angewiesen. Anstatt solcher lassen sich auch künstlich hergestellte Isotope mancher chemischer Elemente, welche in Kernreaktoren erhalten werden, verwenden. Die entsprechenden Isotope sind erheblich billiger als Radiumpräparate.
Kroupa 15 , dem das Verdienst gebührt, durch die auf eigene Initiative erfolgte Ansammlung von Laugerzrückständen nicht nur die erste Herstellung von Radiumverbindungen in der geschilderten Weise gefördert, sondern auch die daraufhin erfolgte Gewinnung wertvollster Radiumpräparate ermöglicht zu haben, verfolgte die weiteren Forschungsergebnisse auf dem Gebiete der radioaktiven Stoffe, insbesondere des Radiums, mit großem Interesse. Er war deshalb später als hüttenmännischer Referent des k. k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten in Wien, dem die staatlichen Hüttenwerke seit 1907 unterstellt -waren, in der Lage, an der weiteren Ausgestaltung der St. Joachimstaler Fabrikanlagen richtunggebend mitzuwirken.
14 Vgl. das Werk „Radioaktivität“ von Stefan Meyer und Egon von Schweidler, Wien 1916.
16 Hofrat Ing. Gustav Kroupa wurde am 30. August 1857 zu Mutejovice, Bezirk Rakonitz, Böhmen, geboren. Er starb am 31. Mai 1935 in Wien. Seine irdischen Überreste ruhen am Friedhofe zu Wilhelmsburg a. d. Traisen in Niederösterreich. Das mitveröffentlichte Bild stammt aus seinen letzten Lebensjahren.