Aufsatz 
Georg Agricola : zur 400. Wiederkehr des Todestages des großen Naturforschers, Humanisten und Joachimsthaler Werksarztes / von Franz Kirnbauer
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen

66

Franz Kirnbauer

1558 und führte den Gasteiner Golderzbergbau zu seiner höchsten Blüte. Nach ihm verfiel er wieder infolge persönlicher und geologisch-lagerstättenkundlich be­gründeter Ursachen. Die Widmung Bechs an Weitmoser trägt folgende Worte:

... Ich erwarte, daß Eurer Herrlichkeit, wenn Sie durch den Bergbau zu großem und ehrlichem Reichtum gelangen, darum dieses Buch desto lieber und angenehmer sein werde und Sie diese meine Arbeit, die aus guter und wohlmeinender Absicht entstand, gnädig und günstig annehmen und mich Eurer Herrlichkeit allzeit in Gnaden befohlen sein, der zu dienen ich zu allen Zeiten ganz willig und geneigt bin. Der allmächtige Gott, der Berge und Täler, Klüfte und Gänge allen Menschen zum Nutzen erschaffen und mit schönen Bildungen veredelt hat, und selber Silber und Erz zur Notdurft der Menschen wachsen läßt, wolle durch seine milde Güte und Barmherzigkeit Eurer Herrlichkeit Bergwerke in der Gastein und Rauris, in Schlemmingen, Bleiberg bei Villach in Kärnten und anderwärts in Gnaden segnen und Ihnen nach seinem göttlichen Willen täglich viel Erz bescheren und Seinen Geist und Seine Gnade Eurer Herrlichkeit mit allen Ihrigen und uns reichlich mitteilen, damit Eure Herrlichkeit solch herrliche und teure Gottesgaben zu seiner Ehre und zur Erhaltung der Kirchen und Schulen, auch zu täglicher Notdurft glücklich gebrauchen und unsern nächsten bedürftigen Menschen christlich und freiwillig damit dienen und immerdar behilflich sein mögen durch Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland, Amen.

Schlußwort

Es hegt an uns Menschen des 20. Jahrhunderts, das Lebenswerk eines Mannes wie Georg Agricola dankbar zu würdigen, der so vielen unter und vor uns das sonst so fremde Gebiet der Mineralogie, Geologie und Bergbaukunde erschlossen hat. Als eine außergewöhnliche Figur der deutschen Geistes- und Wissenschafts­geschichte steht Agricola vor uns. Alles, was spätere Mineralogen und Berg­ingenieure leisteten, ist die folgerichtige Entwicklung dessen, zu dem er den Grund legte. Denn wie kein anderer verstand es Agricola, seine tiefgründigen Kenntnisse naturwissenschaftlicher und technischer Art in einer weitgespannten Zusammen­schau, wie sie das WerkZwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen darstellt, zu vereinen und durch Bilder (Holzschnitte) von seltener Klarheit allgemein ver­ständlich zu machen. Sein langer Aufenthalt im alten österreichischen Bergbauort Joachimsthal, aus dem die silbernen ,, Thaler damals in alle Welt flössen, trug zu seinem universellen Bildungs- und Erkenntnisgang zweifellos wesentlich bei.

Wie äußerte sich übrigens ein bekannter Techniker und Staatsmann unserer Tage vor kurzem über Agricola ?

Anläßlich seiner Ehrenpromotion in Tübingen am 25. November 1954 würdigte der Bergingenieur und frühere Präsident der USA Herbert Hoover das Werk von Georg Agricola in seiner Dankesrede mit folgenden Worten: Einige

Jahre vor dem Ersten Weltkriege gingen meine Frau und ich daran, das erste umfassende Buch über jenen Zweig der Ingenieurwissenschaften, auf den ich mich spezialisiert hatte, aus dem Lateinischen zu übersetzen. Es handelte sich um das WerkDe re metallica von Georgius Agricola ein mächtiger Folioband mit