Werfner Eisen
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im Hangenden und erreichen eine Mächtigkeit bis über 20 m. Sie sind von Dolomit, Breccia, Rauhwacken und meist vollkommen zu Sand und Thon zersetzten Schiefern begleitet. Am Flachenberg wurde außer Brauneisensteinen ein brauner Eisenspat, Pflinz, auch ,,Kernerz“ genannt, mit einem Gehalt von unter 22% Eisen abgebaut. In diesem armen Spateisenstein kann das ursprüngliche Erz erblickt werden, aus dessen Umwandlung die Brauneisensteine entstanden. Die Kernerze mußten vor der Verschmelzung geröstet werden 11 . Der alte Bergbau am Flachenberg wurde von Gewerken betrieben. Der Bergzehent bestand seit Paris Lodron in der „Decimation“, der 10%igen, 1646 auf 15% und 1702 auf 20% erhöhten Abgabe von der an die ärarischen Hütten verkauften Ausbeute 12 .
Die große Zahl der Gewerke und der unrationelle Betrieb, der, wie Berghauptmann von Lürzer sich ausdrückte, „ohne jeden bergmäßigen Vorbedacht nach Art der Maulwurf“ geschah, ließen es nötig erscheinen, 1789 eine Bergordnung für den Flachenberg zu erlassen und die Vermarkscheidung anzuordnen, welche vom Oberbergmeister Josef Peter Seer durchgeführt wurde. Der Seigerriß von 1795 wurde 1832 durch den k. k. Bergmeister Kajetan Kendlbacher ergänzt 13 .
Auf dem Flachenberg waren 12 Berglehen oder Grubenmaße 14 vergeben. Die Schornberg-, die Pertill-, die Köcken- oder Wirts-, die Lämmerhof-, die Trigl- oder Hof-, die Tischler- und die beiden Lichtmanneggerischen Gruben gehörten privaten Gewerken, von denen die Brüder Bonymayr, Michael Oberreiter, Siegmund und Andrä Steinbacher, Matthias Lämmerhofer, Johann und Adam Thurner und Jakob Moser genannt werden. Von den vier dem hochfürstlichen Handel eigenen Gruben standen nach 1820 nur zwei in Betrieb, die Handels- und die nach dem früheren Gewerken benannte Tischlergrube, welche im Jahresdurchschnitt 300 bis 400 Truhen 15 lieferten. Sämtliche Lieferungen des Flachenberges erreichten 2000 bis 3000 Truhen.
Die Hauer erhielten ungefähr die Hälfte des Wochenlohnes als „Pfennwert“ in Naturalien, nämlich 3 Pfund Schmalz, 6 Pfund Korn- und 3 Pfund Weizenmehl und 3 Laib Brot. Der wichtigste Pfennwert war Schmalz. Der Bedarf an Butterschmalz, wobei die Bergwerke als Käufer von ausschlaggebender Bedeutung waren, verdrängte seit dem 15. Jahrhundert den Fettkäs vom Tisch des Bauern, dessen Nahrung nunmehr aus Brennsterz und Magerkäs bestand. Der Pfennwert-
11 M. V. Lipold, Die Grauwackenformation und die Eisensteinvorkommen im Kron- lande Salzburg. Jb. d. geolog. Reichsanstalt V (1854), 369—386. — Geognostisch- bergmännische Notizen über die Eisenerzlagerstätten im Herzogtum Salzburg. Österr. Ztschr. f. Berg- u. Hüttenwesen 18. Jg. (1870), 383, 391 ff.
12 G. Mussoni, Die Eisengewerkschaft Achtal 1537—1919. Mitt. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde Bd. 60 (1920). — Vital Jäger, Berg und Hütte Schwarzleo bei Leogang Bd. 82/83 (1942/43).
13 V. Jäger, Die Eisenhütten in Flachau und ihr Schürf bereich. Mitt. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde Bd. 56 (1916) und Bd. 57 (1917) m. Abb.
14 Im Salzburgischen galt das Ferdinandeische Grubenmaß. 1819 wurde für alle österreichischen Länder das Grubenmaß mit 224 Wiener Klafter Länge, 56 Breite und 100 Höhe bestimmt. (Joseph Tausch, Das Bergrecht des österr. Kaiserreiches, Klagen- furt 1822. S. 182, 208, 247.)
15 Das Ladegewicht einer Truhe betrug im Durchschnitt 400 kg.