Aufsatz 
Werfner Eisen / von Heinrich Benedikt
Entstehung
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Heinrich Benedikt

handel war notwendig, da den Einzelnen die Versorgung oft nicht möglich war 16 . Zum Bezug des Pfennwerts erhielten die landesfürstlichen Knappen Kupferstücke, die mit einemWahrzeichen einem Buchstaben, einer Zahl, einem Wappen, einer Tierfigur versehen waren und die im hochfürstlichen Handel eingetauscht wurden. Die ältesten dieser Kupferstücke stammen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts 17 .

Die Arbeitszeit umfaßte wöchentlich sechs Schichten. Die Knappen fuhren um 7 Uhr ein, hielten von 11 bis 12 Uhr Mittagspause und verwendeten die letzte Stunde von 4 bis 5 Uhr zum Zurichten von Grubenholz oder Erzaufladen. Die Hauerarbeit betrug somit 8 Stunden. Samstag wurde die Arbeit um 11 Uhr beendet und erst Montag um dieselbe Stunde eingefahren, damit die Knappen das Wochen­ende im Tal verbringen konnten. Die Arbeit ruhte ferner an 35 Feiertagen, von denen in der Mariatheresienzeit 17 aufgehoben wurden. Zu den auch weiterhin gebotenen Feiertagen in der Pflegschaft Werfen gehörte der Tag des Kirchen­patrons St. Ciriak. Hier wie anderswo weigerte sich das ganze Land, an den ab­geschafften Feiertagen zu arbeiten 18 .

Der einzelne Hauer brachte nicht mehr als 300 Truhen im Jahre auf. Die Schuld an dieser geringen Leistung wurde damals wie heute demAbsentieren zuge­schrieben. Im Blahhaus wurde während der Schmelzkampagne ununterbrochen gearbeitet und die Arbeiter wurden dort auch in der Zeit, da der Ofen Stillstand, für die aufgehobenen Feiertage entschädigt.Der Hutmann gibt vor, daß das Bergpersonal zum öfteren stürzet, daß die Blaharbeiter die abgewärtigten Feyertag mit bösem Beispiel hereinbringen durften und feyern, sie aber müssen derlei Tage bei der Arbeit ersterken. Aus einer Tabelle über das 1. Vierteljahr 1790 geht hervor, daß bei einem Belag von 15 Mann 6 Schichten mit Hochzeitgehen, vier wegen Krankheit, eine wegen Erkrankung der Frau, eine wegen des Begräbnisses der Mutter und sechs wegen Steinsprengungen verloren gingen. Um den Ausfall wettzumachen, schlug Bergrat Schroll vor, zwei Arbeiter aus Rauris kommen zu lassen, die dort überzählig waren undauch wegen zu geringer Kleidung den dortigen Bergbau Winterszeit nicht besteigen konnten 19 .

Das von eigenen Erzführern mitErzrossen nach Werfen gebrachte Erz wurde ausschließlich im Winter bei guter Schlittenbahn durch das Fritztal und über Eben nach Flachau geführt. Die Römerstraße war verfallen und wurde erst wieder durch Erzbischof Johann Jakob von Kuen-Belasi 1564 fahrbar gemacht und 1719 auf eine Anregung Karls VI. unter Erzbischof Franz Anton Graf von Harrach zu einer breiten Poststraße ausgebaut. Erzbischof Kuen-Belasi Heß auch den Saumpfad durch Paß Lueg durch Sprengungen fahrbar machen. Unter demselben Kirchenfürsten erhielt der Brennhof in Werfen mit seinem schönen Hof seine heutige Gestalt 20 .

16 F. Tremel, Der Frühkapitalismus in Innerösterreich. Graz 1854.

17 Karl Roll, Die Bergwerksmarken des Erzstiftes Salzburg. Numismatische Zeitschrift, Neue Folge Bd. 4 (1911).

18 Mitt. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde Bd. 67, S. 77.

19 Protokoll über den Befund der Werfnerischen Eisensteingebäude, Lend, 12. Ok­tober 1790.

20 J. Hörrer, Orts-Chronik des Marktes Werfen im Pongau, S. 29f. Werfen 1879.