Werfner Eisen
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Als 1762 Patritius Kurz von Goldenstein „Tyrollischer Herr und Landmann, Hochfürstlich Salzburgischer wirklicher Hofrath, Pfleger und Probst zu Werfen, Landrichter zu Bischofshofen und beider Orthen Bergrichter“ sein Amt übernahm, fand er keine Beschreibung der Eisengruben, keine Liste der Gewerken vor, erhielt auch aus Salzburg keine Akten und keine mündliche Auskunft und war einzig und allein auf die von den Gewerken vorgelegten „Verleih- und Ansatzbriefe“ angewiesen 21 . Um ein klares Bild über die Ertragfähigkeit der einzelnen hochfürstlichen Betriebe zu gewinnen, ordnete das Bergkollegium die Aufstellung von Jahresbilanzen an. Auf Grund der von der „hochfürstlich Salzburgisch Bley-, Gallmey- und Eisenbergwerks-Verwaltung auch Buchhaltung Werfen“ aufgestellten Jahresabschlüsse berichtete der Oberrevisor Felix Fempacher an die „Hochwohl- und Hochedelgebohrene, eines Hochfürstlich-Hochlöblichen Berg- und Münzwesens Collegii allhier in Salzburg verordnete Herren, Herr Director und Obrist-Haupthandlungs-Inspector und andere Käthe, gnädig und hochgebietende Herren“, daß das Pfleggericht Werfen in den letzten 8 Jahren nicht nur nichts an die Haupthandlung abführte, sondern einen Verlust von 3938 fl. 6 kr. 2 pf. auswies. Daran war vor allem der Blei- und Silberbergbau am Blientegg 22 schuld. Er wurde aufgelassen und der Bergbau des Pfleggerichts beschränkte sich auf den Abbau der Eisenerze. Das Erz wurde von Flachau bezahlt, das auch den „Sam- kost“, die Entlohnung der Erzführer, übernahm 23 . •
1768 wurden 300 Truhen von einem im Vorjahr entdeckten Brauneisenstein am Windingberg im Winter nach Flachau geliefert. Im Juni waren dort bereits 1300 Truhen erobert und Bergverwalter Felix Dismas Edler von Herrisch berichtete, der Windingberg könnte leicht zwei Blahhäuser versorgen 24 .
Thaddäus Anselm Lürzer von Zehendthal „Wirklicher Hofkammer- und Bergwerk-Collegien-Rath über Hochfürstliche Ertzgebirge, aufgestellter Berghauptmann und alleinig dirigirender Bergwerks, auch Haupt-Handlungs- und Messing-Hüttwerks-Commissarius“ erstattete ein Gutachten über den Winding- berger Bergbau an den Erzbischof Sigismund Christoph Grafen von Schratten- bach (1753 bis 1771) und dieser verfügte mit eigener Hand die Vorlage von Proben aus den Neuschürfen und Verrechnung der Kosten 25 . Der Name des Erzbischofs, unter dem der Bergbau auf dem Windingberg eröffnet wurde, ist im Siegmundstollen verewigt, der ebenso wie das Salzburger Neutor die Worte tragen könnte TE SANA LOQUUNTUR.
Der Windingberg, dessen erster Anbruch von dem rührigen Pfleger und Bergrichter Kurz von Goldenstein verfügt wurde, erhielt eine Bergschmiede und eine „Knappenstube samt Kuchl“. Das Holz dazu, 6 Fichten und 12 mehr, die zu Klüppeln für den Erzweg und zu Brennholz verhackt wurden, lieferte das hof-
21 Kurz v. G. an Bergwerksdeputation 16. November 1781.
22 Riß vom Blei- und Silbei'berg am Blientegg 1759. Mappen XXI, Nr. 4.
23 Das mittelhochdeutsche soumen, Lasten durch Tragtiere befördern, und soume, Traglast, gehen auf den lateinischen Ausdruck summa zurück, der im gleichen Sinn in ganz Italien gebraucht wurde.
24 An Bergwerkskollegium 2. Juli 1768.
25 Lürzer an BWK 23. November 1768. — Bergwerksrevisorium an Berg- u. Münzwesens-Collegium 18. Dezember 1769 m. Beil.