Aufsatz 
Werfner Eisen / von Heinrich Benedikt
Entstehung
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Heinrich Benedikt

werden. Die Anlage einer 15' (Schuh 35 ) langen, 25' weiten und 6' hohen Wasser­stätte mit 4 Abteilungen wurde auf 70 fl. geschätzt 36 .

Knappen gab es genug und es kamen Jahre vor, in denen der eine oder andere, wenn genug Vorräte angesammelt waren, arbeitslos wurden. Die staatsgebundene Wirtschaft sah ihr Ziel in der Erhaltung der Harmonie des sozialen Körpers und suchte wie die Gütererzeugung auch die Geburten zu regeln, wozu sie sich des Ehekonsenses bediente. Als der Hutmann Johann Pacher, ein 44jähriger Witwer, um die Bewilligung ansuchte, die 30jährige Magd Marie Kalcher aus Bischofs­hofen zu ehelichen, mußten, wie üblich, die materiellen Voraussetzungen für den künftigen Haushalt amtlich geprüft w T erden. Pacher stand seit seinem 11. Lebens­jahr im hochfürstlichen Bergdienst. Er bezog einen Wochenlohn von 2 fl. Auch sein Sohn war bei der Bergarbeit angestellt und lebte mit ihm. Die Notwendigkeit für beide, eine Haushälterin zu finden, war offenkundig. DieWeibspersohn besaß eine Hauseinrichtung, 50 fl. in bar, die sie nach ihrem Vater, einem Maurer und Kleinhäusler erbte, und erwartete von ihrem Vetter, einem Bauer zu Goldegg, ein Geschenk von 40 fl. Pacher hoffte einmal nach seiner Mutter, die in Berchtes­gaden lebte, 100 fl. zu erben. Er machte sich für den Fall, daß seinem Ansuchen stattgegeben würde, erbötig, neben seinen Verrichtungen als Hutmann auch die Berg- und Zeugschmiede zu übernehmen, da der alte Bergschmiedam Rande des Grabes oder wenigstens der Unbrauchbarkeit stand. Das ist nur ein Fall von vielen. Zuweilen wurde der Ehekonsens versagt, weil der Haushalt nicht gesichert war, die schwache Leibesbeschaffenheit des Bewerbers an seiner dauernden Verdienst­möglichkeit zweifeln ließ, ein Unterhaltsanspruch einesnatürlichen Kindes das Einkommen schmälerte, der Ehelustige kein guter Hauswirt w ar und seinen Dienst nur mittelmäßig versah oder die Braut sich keines guten Rufes erfreute. Noch 1847 wurde dem Frischarbeiter Franz Strobl die Bewilligung zur Ehe mit der Kamin­fegerstochter von Oberndorf, Rosalie Zeritti,wegen Trunkenheit, Leichtfertig­keit und Schuldenmacherei vom Pfleggericht versagt 37 . Ein Knappe, der ohne Bewilligung des Berggerichts heiratete, nachdem er sich nach Vorlage einer Un­bedenklichkeitserklärung seitens des Bürgermeisters den Konsens des Pfleggerichts beschafft hatte, wurde sofort entlassen, aber, da er ein fleißiger Arbeiter und die Frau eine vernünftige Wirtsperson mit 100 fl. Vermögen war, wieder aufgenommen. Zur Strafe fiel durch zwei Wochen sein Lohn an die Bruderlade.

Bergrat Schroll besichtigte vom 24. bis 26. November 1792 nach einer drei­jährigen Pause die Bergbaue. Die Förderung am Windingberg ließ stark nach, die am Höllenberg nahm zu. Schroll ließ am Windingberg, wo bisher auf freiem Platz geröstet wurde, eine von einer 3' hohen Mauer eingefaßte Roststätte her- richten, um gleichmäßiger und mit geringerem Holz verbrauch zu rösten.

Als Schroll den Windingberg befuhr, lenkte der bereits erwähnte Hutmann Pacher seine Aufmerksamkeit auf einen angrenzenden Wald in der Schäffer-Ötz. Schroll begab sich dorthin und fand mehrere Spuren älterer bergmännischer

35 1 Schuh oder Fuß (') = 31,6081 cm.

36 Commissionsprotokoll Nr. 1 vom Juli 1778. Bericht Herrisch 9. September 1778. Relation 20. Juli 1789.

37 Pfleggericht 9. Feber 1847.