Werfner Eisen
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Zeichnung taucht zuerst 1389 auf 43 . Der Ausdruck Floßofen zeigt an, daß das flüssige Eisen sich in das aus Sand vorbereitete Floßenbett ergießt, wo die Schlacke, mit Wasser begossen, erstarrt und abgezogen wird. Der Ofen wird mit Holzkohle angeheizt, das Gebläse angelassen und der Ofen abwechselnd mit Erz und Kohle beschickt. Im Gegensatz zum Stuckofen arbeitet der Blahofen ununterbrochen. Die Umwandlung des Stuck- in den Blahofen geschieht durch seine Erhöhung, durch die Verengung des Schachts am Gebläse und in der Anbringung einer Öffnung für den Abstich des Roheisens. Da seine Leistung doppelt so groß ist, führte er zu einer Verminderung der Anzahl der Hütten. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts stand der Blahofen in der Hütte, deren Dach von der Esse überragt wurde. In Kendlbruck steht als historisches Denkmal ein erhaltener Floßofenstock und eine Frischfeueresse 44 . Da im Blahofen das Eisen hochgekohlt wurde, mußte diesem für die Stahlerzeugung nachteiligen Umstand durch das „Herdfrischen“ Rechnung getragen werden, die Einschmelzung des Roheisens im Schmiedeherd und Entkohlung durch die oxydierende Wirkung von Wind und aufgegebener Eisenschlacke.
In dem ersten und grundlegenden Werk über Eisenhüttenkunde, das wir dem Schweden Emanuel Swedenborg verdanken, findet sich eine genaue Beschreibung der Floßöfen, wie sie im Salzburgischen standen 45 .
1567 erfand der von Ferdinand I. geadelte Hans Gasteiger einen mechanischen Antrieb, um die Roheisenluppen statt mit Haken und Menschenkraft mit Wasserkraft aus dem Ofen zu ziehen. Das „Ziehwerk“ bestand darin, daß um die Welle, welche sonst die Blasbälge antrieb, ein Seil gezogen wurde. Das Wasserrad trieb die Welle, das Seil wickelte sich um sie und zog die Luppe aus dem Stuckofen und, wo dieser durch Floßofen verdrängt war, die Flößen aus dem Sandbett 46 . Ein solches Zieh werk wird in einem Bericht der Werfner Hütte ausdrücklich erwähnt.
Als „des heil. Röm. Reichs Fürst und Herr Siegmund Christoph Erzbischof zu Salzburg, geborener Legat des heil. Apost. Stuhls zu Rom und des Deutschlandes Primat“ im Jahre 1764 Werfen besuchte, trugen ihm die Eisensteingewerke am Flachenberg zu Bischofshofen Jacob Hueber, Matthias Lemmerhofer, Georg Lechner und Consorten die Bitte vor, er möge in der Blientau 47 ein hochfürstliches
43 F. Tremel, Grundzüge des steirischen Eisenwesens vor 1800. Ber. über den 3. österr. Historikertag in Graz. Veröffentlichungen d. Verb, österr. Geschichtsvereine 4, (Wien 1954), S. 208—216.
44 Modell im Museum für österreichische Kultur in der Wiener Hofburg.
45 Emanuel Swedenborgii Regnum Subterraneum sive Minerale de Ferro deque modis liquidationum ferri per Europam passim in usum receptis. Dresdae ac Lipsiae 1734. — Beck III, 157 f.
46 E. v. Kurzel-Runtscheiner, Wasserbau am Beginn der Neuzeit. Die Warte. Beilage der österr. Furche Nr. 10 vom 5. März 1949.
47 Für den Ort, in dem die „Konkordiahütte“ steht, hat sich der Name Tenneck eingebürgert, der ihm vom Erzherzog Franz Ferdinand, dem Schloßherm von Blühn- bach, verliehen wurde, so wie er die Heugasse, die zu seiner Residenz im Wiener Belvedere führte, weil ihm ihr Name nicht nobel genug klang, in Prinz-Eugen-Straße umtaufen ließ. Über die Namen des Werks und der Bahnstation: F. D. Ditfurth, Namensgewirr um das Blahhaus. Werkzeitung Eisenwerk Sulzau-Werfen vom November 1954. — Ich folge bei den Ortsnamen nicht der heute geltenden, sondern der jeweiligen Schreibweise, um deren Wandlungen zu zeigen.