Werfner Eisen
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unterschlachtigen Wasserrad, welches eine Welle in Bewegung setzte, die 2 Zapfenpaare trug. Senkrecht zur Wellenachse waren 2 Blasbälge auf gestellt. Die Deckel der Balgkästen wurden durch eine Hebstange und die vorspringenden Zapfen der Welle gehoben. Von den Balgkästen drang die Luft durch die Düsen und die Form ’ in den Blahofen. Zwischen dem Düsenrüssel und der Mündung der Form war ein freier Zwischenraum von 3 bis 4". Düsen und Form wurden in paralleler Lage gehalten, damit der Wind die Mündungen der Form gleichmäßig bestreichen konnte.
Die Baukosten 55 des Blahhauses stellten sich auf 4779 fl. 30 kr. Sie wurden zur Hälfte von der Pflegamtskasse Hallein, zur Hälfte von der Haupthandlung in Salzburg getragen.
Im Sommer 1772 wurde das fertiggestellte Blahhaus von Erzbischof Hieronymus Graf von Colloredo (1772 bis 1803) besichtigt, dem neuen, „aufgeklärten“ Landesfürsten, einem guten Verwalter der Finanzen und Freund der Künste, in dessen Auftrag Michael Haydn die „Hieronymusmesse“ schrieb 56 .
Der Ofen konnte jederzeit angeblasen werden. Zur Verschmelzung lagen 2550 Truhen Eisenstein, 140 Truhen Schiefererz und 1664 Sack „Koll“ bereit. Der Kollvorrat reichte nur für 5 Wochen. Man rechnete 6 Sack auf eine Truhe Erz 57 . In den Scheidkästen und auf den Erzstürzen bei den Bauen war der Vorrat der bei der -nächsten Schlittenbahn hereingeführt werden sollte, so groß, daß man von der am Windingberg 16 Köpfe zählenden Knappschaft die Hälfte verabschieden wollte. Die Inbetriebsetzung des Ofens wurde durch den Mangel an Koll verzögert. Holzkohle lag genug auf den Meilern, aber die Kohlbauern zeigten keine Lust, zu den vom Bergrichter festgesetzten Preisen zu liefern.
Eine andere Sorge verursachte der Mangel an Tonschiefer, ohne den, wie die Erfahrung in Flachau lehrte, die „Rauch- und wild Erze“ in keinen guten Fluß kamen. Man bezog, da man in der Nähe keinen fand, den Schiefer aus St. Johann. Auch hier trat eine Verzögerung ein, da sich Kurz von Goldenstein nicht so bald mit den Schiefergewerken über den Preis einigen konnte. Er bot, wie ihm vom Bergwerkskollegium vorgeschrieben wurde, 1 fl. 10 kr. 58 für die Truhe und mußte auf die Ermächtigung des Kollegiums warten, einige Kreuzer darüber zu bewilligen. Die Eroberung des Schiefers kostete den Gewerken 30 kr. die Truhe, die Fracht nach dem 6 Stunden entfernten Blahhaus kam bei der „dermaligen Teuerung der Futterei und des Habers“ auf 50 bis 55 kr. zu stehen. Ein Pferd konnte im Tag nur eine Truhe führen. Kurz von Goldenstein fand unweit vom freien Bürgerberg beim Markt St. Johann einen Neuschurf mit ergiebigem Schiefer, gut flüssig und von mittlerem Eisengehalt, wie eine Probe in Flachau erwies. Er schloß mit dem Windingberger Erzfuhrmann Thomas Gassner einen Kontrakt, bei nächster Schlittbahn 400 Truhen zu einem Fuhrlohn von 50 kr. ins Blahhaus zu führen. Der Schiefer wurde durch landesfürstliche Knappen gebrochen 59 .
55 Geh. Hofkanzlei an L. v. Aman 17. Feber 1770. — Extract aus der Werfnerischen Blahhausrechnung 1772.
56 H. Jancik, Michael Haydn. — Erich Schenk, Wolfgang Amadeus Mozart, 1955. 67 Kurz v. G. an BWK 25. August 1772.
58 Der Gulden zu 60 Kreuzer.
58 Kurz v. G. 4. August 1773.