Werfner Eisen
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Hüttensohle erhöhte Frischherd, der oft nach seinem früheren Namen Zerrenfeuer genannt wird, war innen mit Eisenplatten bedeckt. Vor einer Seite befand sich unter dem Hüttenboden eine 2' tiefe Grube. Die dieser Grube zugewandte Eisenplatte hatte übereinander angeordnete Löcher, die 1 / 2 " weit waren. Durch sie floß die Schlacke in die nasse Grube. Die Herdsohle war mit Kohllösche bedeckt, darüber wurde Schlacke, über die Schlacke Kohle, über die Kohle das Floßeneisen und darüber wieder Kohle geschichtet. War die Masse weißglühend geworden, wurde sie gehoben und herausgezogen. Ein Kran legte sie auf einen Amboß, der Hammer schlug sie mit einigen Schlägen flach und teilte sie mit Hilfe des Setzeisens. Die Teile wurden nochmals angeheizt und zu viereckigen Stäben, 2 bis 3' lang und 2" stark, ausgeschmiedet und die Stäbe zur Härtung in fließendes Wasser geworfen, auf dem Amboß entzweigeschlagen und nach dem Bruch, der ihre Güte erkennen ließ, sortiert 82 . Anakreon klagt, daß ihn die Liebe mit einem roten Ball ins Herz getroffen hat, den sie bald wie ein Schmied behämmert, bald im eisigen Bach badet. Die Härtung im fließenden Wasser ist uralt. „Dieses Härterezept, seit urdenklichen Zeiten in unseren Ländern heimisch, besteht heute noch zu Recht ; die neueren Härtemethoden sind nichts anderes als vervollkommnete und wissenschaftlich begründete Spezialisierung dieser uralten Vorschrift“ 83 .
Die Errichtung des Hammerwerks fiel in eine ungünstige Zeit. 1782 hob Joseph II. die Wirtschaftsbindungen auf. Die Folge davon war die Ausbreitung der steirischen Eisenwerke und die Errichtung neuer Eisenhärftmer. Die Erzeugnisse wurden billiger und schlechter, der freie Wettbewerb richtete die Unternehmer zugrunde (seit 1807 kaufte das Montan-Ärar die „Haupteisenwurzen“, den Betrieb am Erzberg, allmählich auf, um Betriebseinstellungen und Arbeitslosigkeit zu vermeiden) und die Salzburger Eisenhämmer litten unter der steirischen Konkurrenz.
1785 bestellte Hallein den üblichen Jahresbedarf von 1500 Zentner Flößen, aber kein Pfannblech, da dieses in Oberalm in genügender Menge erzeugt wurde. So mühte man sich in Blientau, Stab-, Flamm- und gestrecktes Eisen zu erzeugen. Aus 3 Ztr. Roheisen gewann man 1 Sam (250 Pfund) gestrecktes Eisen, wozu man 4 Sack Praschen verbrauchte. Für den Hammer durften nur Praschen verwendet werden, die zur Feuerung des Blahofens zu klein waren. Die beste Streckware wurde aus Dientner Flößen erzeugt 84 .
Der Hammermeister Johann Schröckenfux arbeitete im Akkord. Er erhielt für den Sam Streckware 5 fl. 30 kr. und ein Jahrespauschal von 26 fl. für die Anfertigung und Erhaltung des „kleinen und großen Werkzeugs“ aus der Handelskasse. Stand der Hammer länger als 8 Tage still, erhielt er ein Wartegeld. Der Hammermeister hatte Heizer und Wassergeber mit Kost, Unterkunft und Lohn zu versorgen. Es gehörte zu seinen Pflichten, die Praschen durch einen Schichtenarbeiter reinigen, „auspratschen“ zu lassen 85 . Der Nachfolger des ersten Hammermeisters war Simon Zeferer, der, dreißigjährig, 1804 starb. Zeferer erhielt,
82 H. Rlopfer-H. Riehl, Das steirische Eisenbuch, S. 120ff. Graz 1937.
83 Leon Goebel, Neuere Erfolge und Erfahrungen auf dem Gebiete der Härtetechnik. Eisenbahn und Industrie 1906, Nr. 12/13.
84 Wochenbericht 7. und 8. Woche, 2. Quartal 1808.
85 BWD 28. Oktober 1786.
Technikgeschichte, 17. Heft. 7