Aufsatz 
Werfner Eisen / von Heinrich Benedikt
Entstehung
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Werfner Eisen

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beigestellt wurden. Die Sorge des Landesfürsten um die Bergwerke brachte die Pflege der Wälder mit sich. Der Bergbau ist der Vater der Forstwirtschaft.

Den größten Holzbedarf hatten die Halleiner Salinen. 1500 wurde in der Salzach der große Griesrechen von Hallein aufgestellt, der das Triftholz aus einem Sammel­gebiet von 100000 ha Waldland auf fing 89 . Das Holz, das im Bliihnbach getriftet und vor der Einmündung in die Salzach von einem Rechen aufgefangen wurde, diente in einem Ausmaß von 160 Klafter (544 m 3 ) zur Versorgung von Hohen- werfen 90 . Als 1765 der Plan, bei Werfen ein Blahhaus zu errichten, entstand, ließ der Bergrichter Kunz von Goldenstein einen Überschlag über die Holzmengen in jenen Bauerngläcken des Pfleggerichts aufstellen, von denen das Zubringen nach Hallein nicht möglich war. Der Bedarf für den Floßofen wurde bei einer Jahres Verarbeitung von 2000 Truhen Eisenstein mit 1700 Werfner- oder doppelt so viel Flachauer Sack 91 berechnet. Mit dieser Menge war die Kohlversorgung auf mindestens 90 Jahre gesichert 92 . Die aus dem grundsätzlich landesfürstlichen Eigen­tum ausgeschiedenen und den Bauern überlassenen Waldparzellen Gläcken waren durch Kohlwidmungen bestimmten Schmelzöfen und Hammerwerken zu­gewiesen. Nur für diese durfte der Besitzer eines Bauernwaldes kohlen. 1770 waren nach der Aufstellung des Oberwaldmeisters Christoph Michl 2418 Flachauer Sack (1692 m 3 im Gewicht von 254 t) auf den Meilern vorhanden: auf dem Lodron- schen Gut Schurgren Leithen,unterm Taingebürg, bei Mathias Krieger auf dem Graf Platzschen Gut Schröckenberg, bei Michael Ha\s auf dem Urbargut Hinter-Imlau, im Londronschen Vorder-Imlau, auf dem fürstlich Chiemseeischen Weberlehen am Windingberg, der Lodronschen Schwaig Weng, bei Georg Behrl auf dem Chiemseeischen Gut Sigistein,aus denen anleitbaren Gläck unter der Feist Alpen und anderswo 93 .

Für den Flachauer Sack wollte das Ärar 22 kr. 7 pf für den Werfner das Doppelte, 45 kr., zahlen. Zu diesem Preis wollten die Kohlenbrenner nicht liefern.Daß dem übermäßigen Begehren und der bekannt allzu eigennützigen Habsucht der Unterthanen, besonders wenn es das hochfürstliche Aerarium betrifft, durch andere würksame Mittel Schranken gesetzt werden, beantragte Kurz von Goldenstein beim Hofkammerdirektorium, anzuordnen, daß in Hinkunft die Schmiede die Kohle nur mehr aus den am schwersten zugänglichen Orten beziehen dürften, damit die näher gelegenen Meiler, die bei ihren geringeren Frachtauslagen billiger liefern konnten, dem Blahhaus Vorbehalten blieben. Auch wäre die Aufnahme von eigenen Kollerern auf hochfürstliche Kosten auf Verding (Akkord) oder Schichtlohn zu erwägen, um einen Druck auf die Bauern auszuüben, die auf die Dauer auf den Verdienst nicht verzichten könnten. Die Verkohlung in eigener Regie würde ver­mutlich teurer als der Ankauf zu den von den Bauern verlangten Preisen zu stehen

89 Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Oberösterreich und Salzburg. Wien 1889. Volkswirtschaft!. Leben, red. v. Karl Menger, S. 577ff.

90 Mitt. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde Bd. 67 (1927), S. 66.

91 Der Flachauer ist der normale Salzburger Sack von 22 x / z AViener Kubikfuß (1 Kubikfuß = 0,7 m 3 ). 1 Klafter Holz lieferte 4 Sack Kohle.

92 Bericht Kurz v. G.

93 Beschreibung oder Entwurf wegen Koll Lieferung zum neuen Blahhaus. Kurz v. G. an Hofkammerdirectorium 19. November 1770.