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Heinrich Benedikt: Werfner Eisen
kommen, es sei denn, man schwemmte das verdorbene Holz der vielen Windwürfe aus dem Plinbachtal, auch vom Pfleg Halleinischen Brennwald zum Blahhaus und ließe es dort verkohlen 94 . Die berechtigten Preissteigerungen den Bauern zu gewähren, hielt die Rücksicht auf das Halleiner Salzkammergut die Hofkammer zurück. Das Bergwerkskollegium beschloß, sich mit Kohle aus den „Gstüttalpen im Plien- bach“ zu behelfen, die seit Erzbischof Wolf Dietrich von Raiten ah (1587 bis 1611) der Pferdezucht dienten 95 , aber dies scheiterte am Mangel an Holzknechten 96 .
Überständiges Holz und alte Windbrüche lieferten minderwertige Kohle — Pra- schen—, welche die Waldmeisterei den Schmieden zu wies. Zur Verbesserung mischten die Schmiede frisches Holz zu 97 . Wie die Holzfällung, wurde auch die Verkohlung von der Waldmeisterei überwacht. Der Unter waidmeister erhielt ein auf Gewohnheit beruhendes Forstgeld, auch Kohltag genannt, von 45 kr. von jedem Kohlhaufen.
Alljährlich wurde im Feber oder März vom Bergrichter eine „Kohlbeschreibung“ abgehalten, zu der die Interessenten erschienen. Die Kohlbeschreibung, in welche die Abschlüsse eingetragen wurden, verzeichnete getrennt die Freiwaldungen, die später als Salinenwälder bezeichnet werden, und die anleitbaren Waldungen der Grundbesitzer im Bereich von Pfleg und Probstei Werfen und Landgericht Bischofshofen. Es fanden sich in der Regel gegen 130 Bauern, die sich um das Kohlgeschäft bewarben. Der Bedarf des Blahhauses betrug in einer Woche 230 Sack, in einer Kampagne von 30 Wochen 6900 Sack. Für die Erzröstung veranschlagte man 500, für das Hammerwerk 1400 Sack. Um eine kleine Reserve anzulegen, wurden jährlich 10000 Sack (7000 m 3 ) bestellt, aber diese Menge wurde erst nach Jahrzehnten erreicht 98 .
Im Bereich der Pflegschaft gab es reichlich Holz, aber aus den Wäldern mußte auch Hallein versorgt werden und viel Holz erforderte der Werfner Mautweg. Johann Andreas Langlechner, „Oberwaldmeister in und außer Gebirg“, warnte 1788, daß dem Überfluß schon in zwanzig Jahren ein erheblicher Abgang folgen werde.
Die Köhlerei war der Hauptverdienst der Waldbauern, aber der Gewinn, den sie einbrachte, war klein und manchmal blieb er ganz aus, so wenn die Kohlverdinger wegen der schlechten Lage des zu fällenden Holzes und der schwierigen Arbeit in den Windbrüchen den Kohlarbeitern und wegen des schlechten Wetters den Fuhrleuten den Lohn erhöhen oder einen neuen Weg anlegen mußten 99 .
Die Anlage der Meiler und die Köhlerei war ein mühsames Geschäft 100 .
(Wird fortgesetzt.)
91 Kurz v. G. an HK 20. Juni und 9. Juli 1771 mit Verzeichnis der Kohllieferanten und 25. August 1772.
95 Über die Ahnen des Blühnbachtals und die hochfürstliche Pferdezucht: H. Feuer- Sänger, Der Pinzgauer Noriker, S. 30. Innsbruck 1941. — Die Nachfrage der Erz- und Kohlführer nach Pferden war von großer Bedeutung für die Pferdezucht Salzburgs.
96 Kurz v. G. an BWK 15. März 1771.
97 Bericht Sigmund von Pichl auf Grund der Meldung des Unterwaldmeisters Johann Eberl 9. August 1788.
98 Vortrag Schroll in HK 4. Mai 1805.
99 Gesuch Lainer 5. Juli 1783. — Bericht S. v. Pichl 26. Oktober 1793. — Kontrakt 27. Juli 1794 und „Ideal-Riss“, farbiger Plan von der Gainfeld Waldung.
100 Über die Anlage der Meiler: W. Schneider, Die Holzkohlengewinmmg einst und heute. Universum 8. Jg. (Wien 1953), S. 17—21.