Aufsatz 
Johann von Scharfenberg und das Gold-Arsen-Problem / von Heinrich Quiring
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Johann von Schaufenberg und das Gold-Arsen-Problem.

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Der zwischen 40 und 60% betragende Arsengehalt des Arsenikalkieses (FeAs 2 ) und Arsenkieses (FeAsS) wurde nicht nutzbar gemacht. Beim Rohsteinschmelzen und Abrösten entwich er unter Oxydation zu Arsenik als giftiger Hüttenrauch in die Luft, schädigte die Umgebung der Hütten, Pflanzen wuchs und Haustiere vergiftend. Selbst die Niederschläge, das Grund- und Brunnenwasser, wurden ungenießbar. Der Reichenstein durchfließende Bach hießGiftbach.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß der Reichensteiner Goldbergbau nicht nur durch die Goldarmut der Erze und die Verhüttungsschwierigkeiten kaum lebensfähig, sondern auch bei der Stadt- und Landbevölkerung nicht gern gesehen war. Schon 1570 mußten die Herzoge von Schlesien selbst einen Teil der Gruben und Hütten übernehmen. Sie hatten aber kein Glück mit dem Bergbau. So schlug 1650 ein Versuch fehl, mit einem sonderbaren Beizwasser (M. GüHler 1650) wahrscheinlich dem damals bekanntgewordenen Königswasser größere Gold­mengen aus dem Erz herauszuziehen. Nachdem 1664 bis 1673 Georg Wilhelm, der letzte Herzog von Schlesien-Brieg, 5902 Taler beim Betrieb zugesetzt hatte, überließ er 1675 seinen Reichensteiner Grubenbesitz der Stadt Reichenstein, die aber kein Interesse an einer Verstärkung des Betriebes zeigte. Nach dem Tode des letzten Piastenherzogs fiel Schlesien an den Kaiser Leopold I. In einer be­sonderen Urkunde bestätigte er 1676 der Stadt ihre Privilegien, Berg- und Stadt­freiheiten.

Um diese Zeit ungefähr wußte ein von dem Kaiser ftiit dem Ratstitel ver­sehener ehemaliger Feldapotheker, Johann v. Scharfenberg, sich bei den Reichen­steiner Gewerkschaften in Ansehen zu setzen und durch seine Versprechungen großen Ausbringens die Reichensteiner Bürgerschaft zu dem Entschluß zu bringen, ihm die ganze Direktion des dortigen Bergwesens zu übergeben. So hat Stein­beck (1857, S. 84) das erste Auftreten des neuen Mannes geschildert, der Reichen­stein bis zur Gegenwart zum ersten Arsenerzeuger Deutschlands und für 150 Jahre zum ersten Arsenerzeuger der Erde gemacht hat. Diesem schnellen Erfolg bei den sachkundigen Berg- und Hüttenleuten Reichensteins steht die geradezu unfaßbare Ablehnung gegenüber, welche die Brieger Regierung in einem Bericht an den Kaiser vom 15. August 1679 (Rep. 21 F. Brieg I 15, Vol. I) zum Ausdruck brachte. Darin w r ird gesagt, daß, wenn v. Scharfenberg Oberberghauptmann in Reichenstein würde, seine Besoldung die bergbaulichen Einkünfte der Städte Reichenstein und Silberberg im Betrage von 600 Gulden völlig auf zehren würde. Von Scharfenberg könne die Gruben ja pachten oder als Gewerke am Betriebe sich beteiligen, wenn ihm seine chemischen Kenntnisse wirklich so günstige Resultate versprächen.Wir lassen aber des von Scharfenberg Bergwissenschaft und woher dieselbe rühre, oder wie w eit sie sich erstrecke, als eine uns unbekannte Sache dahingestellt sein, erinnern aber, daß niemand bei der von ihm gemachten Probe von 16 oder 17 Zentnern zugegen gewesen ist, der die gebrauchten Zuschläge eigentlich geprüft hätte.Im großen könne etwas ganz anderes sich ergeben; denn es sei nicht geklärt, ob die Erze nicht noch zu unreif wären, um sich zur Zeit zum Verschmelzen zu eignen, bei welchem es darauf ankomme, den räuberischen Arsenik, den die Erze mit sich führen, und der den Gewinn im Feuer mit fortnehme, zu töten oder zu separieren. Ferner wird im Bericht darauf hingewiesen, daß Scharfenberg trotz der er-