Aufsatz 
Johann von Scharfenberg und das Gold-Arsen-Problem / von Heinrich Quiring
Entstehung
Seite
107
Einzelbild herunterladen

Johann von Scharfenberg und das Gold-Arsen-Problem

107

Die Erfindung Scharfenbergs bestand darin, daß er den früher unmittelbar dem Schachtofen zugeführten goldhaltigen Arsenikal- und Arsenkies inBrenn­hütten vorzurösten beabsichtigte. Die sich dabei bildende und entweichende arsenige Säure (FeAs 2 + 3 0 = Fe -j- As 2 0 3 ) sollte sich alsGiftmehl in Kammern (Giftkammern) niederschlagen, durch die er die Abgase leiten wollte. In seinen Grundzügen hat sich dieses Verfahren bis zur Gegenwart gehalten. Es hat sich mcht nur bei der Verhüttung der Hauptarsenerze (Arsenkies und Arsenikalkies) bewährt. Es wurde auch bei der Verhüttung zahlreicher arsenhaltiger komplexer Kupfer-, Blei-, Nickel-, Kobalt-, Zinn- und Antimonerze, arsenhaltiger Hütten­produkte (Speisen, Flugstaub, Schwefelarsen) und arsenhaltiger Rückstände aus Spezialöfen, Schwefelsäurefabriken usw. nach und nach eingeführt.

Zur unmittelbaren Arsenikerzeugung dienen fast nur Arsenkies und Arsenikal­kies, die durch die Erfindung von Scharfenbergs überhaupt erst nutzbar und bauwürdig geworden sind. Aus den komplexen Erzen, arsenhaltigen Hütten­produkten und Rückständen gewinnt man die Arsenikalien als mehr oder weniger erwünschte Nebenerzeugnisse, da die Erfindung Scharfenbergs der Gesetzgebung in allen Kulturstaaten die Möglichkeit gab, den Hütten die Unschädlichmachung des giftigen Hüttenrauches zur Pflicht zu machen.

Trotz der kaiserlichen Anerkennung konnte Scharfenberg keineswegs seine Pläne in Reichenstein und im übrigen Schlesien durchführen. Wegen der Gefahr einer möglichen Konkurrenz da er von sich auf andere scfiloß, erkannte er nicht die geringe Initiative und metallurgischen Kenntnisse seiner Zeitgenossen hielt er zunächst sein Verfahren geheim. So hielt sich die Ansicht, daß er ein Betrüger sei. Gegen ihn stand außer der Brieger Regierung der Reichensteiner Magistrat, während die Reichensteiner Bürgerschaft für Scharfenberg eintrat. Immer neue Schwierigkeiten türmten sich vor ihm auf. So traf er zunächst in den Fürsten­tümern Schweidnitz und Jauer auf Widerstand. Der dort amtierende k. k. Kammer­rat und Bergwerksinspektor Freiherr von Rechenberg ließ weder Scharfen­berg noch den Pater Angelus auf den ihm untergebenen Bergwerken zu und berichtete mit beißendem Spott über die geringen bergbaulichen Fachkenntnisse des Kapuziners nach Wien.

Unter Berufung auf eine Verordnung des schlesischen Herzogs aus dem Jahre 1631, wonach Reichenstein als Bergstadt die Förderung des Bergbaus als Hauptaufgabe zu betreiben und die Anordnungen des Vorgesetzten Bergamts zu beachten habe, erreichte Scharfenberg, daß die Stadt im Jahre 1700 für 2300 Taler eine neue Schmelzhütte und ein neues Pochwerk errichtete. Als diese Neubauten und dazu zum Probeschmelzen dem Kaiser gehörige 1440 Zentner Erz an Scharfenberg ausgeliefert werden sollten, weigerte sich der Magistrat. Ein offener Kampf ent­brannte. Am 22. August 1701 ließ der Oberberghauptmann durch seinen Berg­meister, zwei Bürger und zwei Bergleute den Fürstenstollen auf brechen, um einige Stufen Erz zu gewinnen. Der Rat befahl, den Bergmeister und seine Leute zu ver­haften und ins Stockhaus zu bringen. Dies ließ sich Scharfenberg nicht bieten. Noch am gleichen Abendübergingen der älteste Sohn, der Sekretär und der Kammerdiener des Oberberghauptmanns den Stockmeister mit bloßem Degen und geladenen Pistolenund traktierten ihn hart und übel, daß selbiger zur Rettung

Technikgeschichte, 17. Heft. ä