Aufsatz 
Johann von Scharfenberg und das Gold-Arsen-Problem / von Heinrich Quiring
Entstehung
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Heinrich Quiring

an den Landeshauptmann der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer, Grafen v. Schaffgotsch, am 23. April 1717, die Gebrüder v. Scharfenberg als Kaiserliche Berghauptleute für Schlesien auch in den Fürstentümern Schweidnitz und Jauer anzuerkennen. Noch in demselben Jahre bereiste der Oberberghauptmann Joh. Leopold y. Scharfenberg die Bergwerke dieser Fürstentümer.

Die Jahre 1709 bis 1721 dürfen wir als die Glückszeit der Familie Scharfen­berg ansehen. Sie hatten nicht nur die mühsam erkämpfte Anerkennung gefunden, sondern auch die väterliche Erfindung der hüttenmännischen Gewinnung von Arsenik endlich durchführen können und bewiesen, daß nur unter Nutzbarmachung des Arsens der Reichensteiner Bergbau zu neuem Leben erweckt werden konnte. Nach den bergamtlichen Rechnungen erbrachte die Arsen-Goldlagerstätte von Reichenstein und Blei-Silbererzlagerstätte von Silberberg von 1709 bis 1723:

Gold im Werte von

18162 Gulden

Silber ,, ,, ,,

2297

99 9

34 Kreuzer

Blei ,, ,, ,,

471

24

Glätte ,, ,,

4287

99

18

Arsenik ,, ,, ,,

56169

99

21

Talk ,, ,, ,,

27

99 *

27

Zusammen im Werte von 81415 Gulden, 5 Kreuzer

Das gewonnene Arsenik hatte demnach den dreifachen Wert des gewonnenen Goldes.

Der Erfindung Johann v. Scharfenbergs entsprechend wurde das gepochte und gewaschene Erzkonzentrat in Brennhütten im Holzfeuer geröstet und die ent­stehende arsenige Säure in den Giftkammern teils in mehliger, teils in fester Form (Krappen) gewonnen. In einer Raffinierhütte wurde das Arsenik umgeschmolzen. Die goldhaltigen Eisenoxyde (roten Abbrände) wurden wie früher mit Blei und Bleiglanz, geliefert von der Grube Silberberg, verhüttet. So fiel das frühere Roh­steinschmelzen im Schachtofen fort. Schon der erste Schmelzprozeß im Bleiofen ergab Bleistein und Werkblei, das beim Abtreiben das Gold freigab. Der Über­schuß, den die Gebrüder v. Scharfenberg erzielten, war nicht hoch, aber sie waren, wie ihr Vater, von dem Wert der Neuerung durchdrungen und suchten sie mit Tatkraft am Leben zu erhalten.

Am 11. Februar 1720 heiratete der Oberberghauptmann Johann Leopold Freiherr v. Scharfenberg Christine Veronica v. Held und Hagelsheim. Die Trauung vollzog der Pastor der evangelischen Gemeinde in Reichenstein, Martin Benjamin Gerhard. Nicht nur die Berg- und Hüttenleute, sondern auch die Bürger von Reichenstein haben diesen frohen Tag mitgefeiert. Hochzeits­predigt und das von dem Bergamtssekretär Joh. Joachim Valentin verfaßte Festgedicht sind erhalten (W. Köhler 1913, S. 239 bis 250).

1721 starb in Reichenstein der jüngere von Scharfenberg. Der Ältere führte die Verwaltung mit dem Betrieb allein weiter.

Nachdem die Widersacher 15 Jahre lang einigermaßen Ruhe gehalten hatten, führten die geringen Überschüsse des Berg- und Hüttenbetriebes offenbar bestand für eine Großerzeugung von Arsenik kein genügender Absatzmarkt, auch dieser