Johann von Scharfenberg und das Gold-Arsen-Problem
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konnte sich nur langsam entwickeln — 1723 zu Rückfragen der schlesischen Kammer beim Oberberghauptmann v. Scharfenberg. Insbesondere schien der Kammer das ausgebrachte Gold und Silber zu wenig zu sein. Man hatte wohl den Verdacht, daß die Edelmetalle bei der Gewinnung verschwänden. Scharfenberg war daher damit einverstanden, daß die Stadt Reichenstein mehr als die vier im Vergleich von 1709 ihr zugestandenen Bergleute auf ihren Gruben anlegte, um das Gold auszubringen und zu prüfen. 10 Zentner der dabei gewonnenen Erze und 6 Zentner Silberberger Erze bester Art ergaben jedoch nur 2 1 / 2 Dukaten Gold (= 8,1 g) und 5 Quentchen Silber mit einem Aufwand von 30 Talern Unkosten, während der Wert des gewonnenen Goldes nur rund 7 Taler betrug. Dadurch war die Kammer belehrt und stand von weiteren Arbeiten zum alleinigen Ausbringen der Edelmetalle ab. Der Freiherr v. Scharfenberg war wieder einmal rehabilitiert.. In einer Eingabe sämtlicher zu Reichenstein und Silberberg bauender Gewerke an die schlesische Kammer von November oder Dezember 1723 sind Johann Leopolds Fähigkeit, Aufrichtigkeit und Uneigennützigkeit besonders hervorgehoben. Deutlich ist erkennbar, daß er mit den Jahren seinen Schneid eingebüßt hatte und eine Engelsgeduld gegenüber den Neidern am grünen Tisch bewies. Sie ist nur dadurch erklärlich, daß ihn der Beginn einer wirtschaftlichen Depression auf dem Metallmarkt oder die geringen Absatzmöglichkeiten von Arsen in den Zwanzigerjahren finanziell bedrängten. Diese Bedrängnis scheute er sich offen zuzugeben. Er wollte nicht das von seinem Vater und ihm selbst auf gebaute Werk in den Augen der Mitwelt, vor allem aber seiner Widersacher, herabsetzen und zur Illusion stempeln. Vielmehr schrieb er noch 1729 stolz an die schlesische Kammer: „Mein Vater und ich haben trotz aller Behinderungen über 150 000 Gulden an Bergwerkseffekten aus dem Schoße der Erde geliefert und daraus sind einige 20000 Gulden bar in den kaiserlichen Schatz geflossen.“ Dennoch konnte der Niedergang nicht verborgen bleiben, da die Zehnteinnehmer öfters bei der Kammer über die Saumseligkeit des Freiherrn bei der Abführung des Zehnten klagten. Auch der Reichensteiner Magistrat begann wieder mit Beschwerden über den schlechten Bergbaubetrieb und berichtete am 18. März 1732 dem Kaiser, daß v. Scharfenberg und seine Leute mittellos wären und nur von einigen lutherischen Gewerken aus Breslau noch Lebensunterhalt erhielten.
Da auch weiterhin der Zehnte ausblieb, ließ die Brieger Regierung die Sache untersuchen und berichtete am 10. Februar 1738 an die Kaiserliche Hofkammer, daß der Freiherr v. Scharfenberg sein ganzes Vermögen bei dem Betrieb der Reichensteiner Bergwerke und Hütten zugesetzt und nichts mehr habe. Es werde vergeblich sein, von ihm etwas „beizutreiben“. Die schlesische Kammer schlug vor, dem Oberberghauptmann den unwirtschaftlichen Bergbau abzunehmen und für kaiserliche Rechnung weiterzubetreiben.
Noch ehe der Kaiser entschieden hatte, starb am 28. Mai 1738 zu Gröditzberg Johann Leopold v. Scharfenberg, der zweite und letzte kaiserliche Oberberghauptmann von Schlesien. Er hatte als Besuch bei einem Herrn von Frankenberg auf dem Gröditzberge geweilt.
Wie die Geier stürzten sich die Gläubiger auf seinen Nachlaß und bedrängten die in bitterster Armut mit 5 Kindern zurückgebliebene Witwe. Als Zehntrückstände