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Ernst Neweklowsky
über seine Inspektionsreise von Pest nach Skela Cladowa 5 , unweit der heutigen Stadt Turn Severin, und zurück vom 27. August bis 2. Oktober 1834 schildert die von ihm Vorgefundenen Zustände.
Nose fuhr mit dem Dampfer ,,Franz I.“ von Pest ab. Das Schiff war mit Reisenden überfüllt, die vom Pester Markt kamen. Der Restaurateur Triaca gab zu begründeten Klagen Anlaß. Er hatte nicht genügend Vorräte, gab den Reisenden kein warmes Frühstück und war unartig und unaufmerksam gegen sie, so daß er zum Restaurateur ungeeignet war. Auf dem Schiff gefährdete der schlecht verschlossene Kohlenbehälter die Sicherheit der Reisenden. Erst am dritten Abend langte das Schiff in Semlin an. Die Aus- und Einladung verzögerte sich dort, weil die Landungsbrücke fehlerhaft eingelegt war und erst verlängert werden mußte. Am 31. August fuhr der „Franz I.“ ab. Unterhalb Semlin gab es Fahrtschwierigkeiten durch Untiefen, doch langte man glücklich in Moldawa an. Da es bereits 4 l / 2 Uhr am Nachmittag war, wurde die Revision nicht mehr am gleichen Tage vorgenommen, obwohl sich nur 200 Zentner Waren auf dem Schiff befanden und das Dreißigstamt die Revision versprochen hatte. Erst am folgenden Tag machte sie der Dreißiger. Nun erst konnte in die Ruderschiffe umgeladen werden. Diese Schiffe, welche außer den Waren auch die Reisenden aufnehmen mußten, fuhren dadurch so spät ab, daß sie erst am zweiten Tag in Orsowa einlangten. Auch hier wurde die Revision nicht mehr am gleichen Tag vorgenommen, sondern erst am folgenden Morgen. Sie war zwar schon um 9 Uhr beendet, doch fuhren die Ruderschiffe nicht mehr nach Skela Cladowa ab, da sie am Tage der Abfahrt noch nach Orsowa zurückkommen mußten. Dazu aber war die Zeit zu kurz. So langten die Reisenden und die Waren erst am 4. September in Skela Cladowa ein. An diesem Tage aber hätte der Dampfer „Argo“, der sie aufzunehmen hatte, schon von dort abgehen sollen.
Der Berichterstatter Nose hatte die Aufgabe, die Strecke Moldawa—Orsowa hinsichtlich der Schiffahrtsverhältnisse zu untersuchen und womöglich einen unterhalb Moldawa gelegenen Platz als Ziel der von oben kommenden Schiffe ausfindig zu machen, um die Fahrt mit den Ruderschiffen abzukürzen. Er legte die Strecke nach Orsowa mit dem Kapitän Nikolaus Rau auf einer der Moldawaer Plätten zurück und nahm Untersuchungen der Hindernisse in der Kataraktenstrecke vor, wozu die nötigen Meßgeräte mitgenommen wurden.
Die ersten Messungen führte Nose an der Granitbank Stenka (21 km unterhalb Moldawa) durch, wobei er seichte Stellen mit hervorstehenden Spitzen feststellte. Die nächste Landung erfolgte in Drenkowa (33 km) 6 , um zu untersuchen, ob der Ort als zukünftiger Landungsplatz der Dampfer in Aussicht genommen werden könnte. Bei Kozla zeigten sich Spitzen am Felsgrund mit weniger als sechs Fuß Wasser. Es mangelte auch an einem Wendeplatz für die Schiffe. Da die Türken ihre Salzschiffe auf dem österreichischen Ufer hinaufziehen konnten, würden sich
5 Namen und Schreibweisen der Orte sind in der damals gebräuchlichen Form hier beibehalten.
6 Die Entfernungen von Moldawa sind dem Kilometeranzeiger der Ersten Donau - Dampfschiffahrts-Gesellschaft (1924) bzw. der Karte der Donau von Ulm bis zur Mündung der 1. k. k. priv. Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft (1918) entnommen.