Aus der Frühzeit der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft
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Wir wollen unseren Gewährsmann auf seiner Rückreise nicht mehr begleiten, sondern bloß berichten, daß er am 2. Oktober wieder in Pest ein traf.
Ein Jahr später fuhr der damalige Hauptmann im preußischen Großen Generalstab und spätere General-Feldmarschall Helmuth von Moltke auf seiner Reise nach Konstantinopel von Wien auf der Donau bis Orsowa 7 . Am 18. Oktober 1835 wollte er ein Ruderschiff bis Preßburg benützen, da wegen der Hindernisse im Strom die Dampfschiffe erst von dort abgingen. Er kam aber nicht weit, denn das Fahrzeug mit seinen 12 Reisenden wurde, nachdem man hatte windfeiern müssen, durch den Wind ans Land geworfen und saß fe3t. Nach einer etwas abenteuerlichen Fahrt über Land traf er doch noch rechtzeitig in Preßburg ein, um mit der „Pannonia“ am nächsten Morgen nach Pest weiterfahren zu können, das in 14stündiger Reise erreicht wurde. Von hier fuhr er am 24. Oktober mit dem Dampfer „Franz I.“ donauabwärts. Moltke schildert das Schiff mit seiner Länge von 150 Fuß und seinen 60 Pferdestärken als zwar wesentlich größer, aber nicht so hübsch eingerichtet als die „Pannonia“. Am Abend wurde Semlin erreicht und am nächsten Morgen die Fahrt nach Moldawa fortgesetzt. Die weitere Reise erfolgte mit einem zierlichen offenen Segelboot, das von 8 Knechten gerudert wurde und bereits am Abend des 26. Oktober Orsowa erreichte. Hier fanden die Reisenden ein gutes Unterkommen. Die Weiterreise führte über Land durch die Walachei. Ohne auf die ungemein aufschlußreichen Beobachtungen Moltkes einzugehen, sei bloß bemerkt, daß sich seit dem Vorjahr, wie man dem Tagebuche entnehmen kann, die Verhältnisse doch einigermaßen gebessert hatten. Um an besonders gefährlichen Punkten Sprengungen durchführen zu können, war eben eine Taucherglocke eingetroffen. Man versuchte also damals bereits, den Stromhindernissen an den Leib zu rücken.
Noch einer Reise sei Erwähnung getan. Im Jahre 1840 fuhr der Orientalist Jakob Philipp Fallmerayer die gleiche Strecke und schildert diese Reise in recht orgineller Weise in seinem Tagebuch 8 . Er reiste wieder ein Stück bequemer. Mit einer „Extrafuhr“ gings am 21. Juli in Wien zum Pratereck, wo die „Galathea“ bestiegen wurde, die Fallmerayer als elegant schildert und mit der er um Mitternacht in Pest ankam. Am nächsten Tag fuhr er mit dem Dampfer „Zrinyi“ weiter und kam am 24. in Drenkowa an, von wo aus er noch am gleichen Tage abends in einem Ruderschiff mit 8 Ruderknechten Orsowa erreichte. Am nächsten Abend fuhr er nach Skela Cladowa, wo neben elenden Schilfhütten der „Vapor“ „Pannonia“ vor Anker lag. Auf diesem Schiffe war nur der erste Platz reinlich, der zweite dagegen schmutzig. Am 29. Juli kam Fallmerayer nach Galatz.
Von den Reisenden, die hundert Jahre später auf einem der Expreßdampfer in der bequemsten Weise nach Giurgiu fuhren, hatten wohl nur sehr wenige eine Ahnung davon, unter welch schwierigen Verhältnissen die Erste k. k. priv. Donau- Dampfschiffahrts- Gesellschaft sich einst ihren Weg in die unteren Donauländer suchen mußte. Der Bericht des Herrn Nose aus dem Jahre 1834 und die Reisebeschreibungen aus den Jahren 1835 und 1840 geben ein Bild davon.
7 Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten des General-Feldmarsehalls Grafen Helmuth von Moltke 1 . Band, Zur Lebensgeschichte (1892) S. 103 ff.
8 Hugo Hassinger, Eine Donaureise im Vormärz, Wissenschaftliches Jahrbuch der Ersten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft, Band 1 (1938), S. 65 ff.
Technikgeschichte, 17. Heft.
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