Josef Maria Eder
Pionier auf dem Gebiete der Photochemie und des Lichtbildwesens
Zum hundertsten Geburtstag
Die Erkenntnis, daß Österreich auf dem Gebiet der Technik und im Ingenieurwesen ein Eigenleben voll Schaffenskraft führt und reich an starken Persönlichkeiten ist, zeigt das Lebenswerk des österreichischen Forschers und Wissenschafters Josef Maria Eder, zu dessen 100. Geburtstag die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, dessen Schöpfer Eder war, in feierlicher Weise seine Leistungen in Wort und Schrift ausführlich würdigte. Unserer Aufgabe gemäß wollen auch wir an dieser Stelle wenigstens ganz kurz Eders gedenken 1 .
Josef Maria Eder wurde am 16. März 1855 in Krems an der Donau geboren. Sein Vater war Landesgerichtsrat, seine Mutter die Tochter des Juristen Ludwig von Borutzki, Bezirkshauptmann und Richter in Tulln in Niederösterreich.
Eder studierte an der Universität in Wien Chemie, Physik und Mathematik, besuchte gleichzeitig die Chemische Fachschule an der Technischen Hochschule in Wien und nachdem er 1875 zum Dr. phil. promovierte, wurde er Assistent bei Prof. J. J. Pohl an der Lehrkanzel für Chemische Technologie an der Technischen Hochschule in Wien. Damals lernte er die ersten Anfänge der Photographie kennen, für deren Entwicklung er später ein so erfolgreicher Wegbahner geworden ist. Die Bedeutung seiner Pionierarbeit ist in der Glückwunschadresse ausgedrückt, die die Akademie der Wissenschaften in Wien Eder zu seinem 80. Geburtstag überreichte. Darin heißt es: ,,Die Tragweite derselben beruht insbesondere auf vier große Entdeckungen, die in der Entwicklung der Gelatinetrockenplatte, den ausgezeichneten Untersuchungen über die Sensitometrie, in der Einführung der Chlorbromsilberemulsion im Kopierprozeß und schließlich in der orthochromatischen Sensibilisierung gelegen sind. An diesen Entdeckungen hängen alle die Fortschritte, welche die große Entwicklung des Photo- und Kinematographiewesens zur Folge hatten. Wohl die wichtigste Anwendung der von Röntgen entdeckten Strahlen, die Röntgenstrahlenphotographie, haben Sie zuerst untersucht und so viele Anwendungen der Röntgenstrahlen in der Diagnose erst ermöglicht.“
Die Krönung Eders Lebensarbeit ist aber die Schaffung der Graphischen Lehr-
1 Eine ausführliche Biographie über Josef Maria Eder, verfaßt von Prof. Dr. Josef D aimer, erliegt im Personenarchiv des Forschungsinstitutes für Technikgeschichte am Technischen Museum.