Martina Heßler
Die Diskurse um eine maschinelle Ersetzung der Menschen berührt stets, wie im Vorhergehenden gezeigt, das menschliche Selbstverständnis, sei es die des Menschen als homo laborans, sei es das Soziale als menschliche Eigenschaft, die allenfalls noch Tieren, jedoch nicht Robotern zugestanden wird, sei es der menschliche Körper, der zwischen der romantischen Vorstellung einer Natürlichkeit und der seiner Gestaltbarkeit im Kontext maschineller „Ersatz- und Erweiterungsteile“ diskutiert wird.
Die Diskurse sind dabei allesamt von einem Anthropozentrismus geprägt, in dem Mensch und Technik nicht nur dichotom gedacht werden, sondern auch in einer Hierarchie bzw. in einer Vorstellung, die Technik als Instrument der Gestaltung und Ermächtigung bzw. als Gefahr der Unterwerfung von Menschen sieht. Damit, und darauf hinzuweisen war ein zentrales Ziel des Aufsatzes, wird die Komplexität des Begriffes der Ersetzung übersehen. Zum Ersten wird nicht „der Mensch“ ersetzt, sondern in der Arbeitswelt beispielsweise eine Tätigkeit der Menschen, im Sozialen oft auch eine bestimmte Eigenschaft. Die abstrakte Rede vom Menschen als Ganzem, wo sich die Ersetzung doch nur auf spezifische Tätigkeiten oder Praktiken bezieht, verweist darauf, wie stark diese Frage das menschliche Selbstverständnis berührt, indem hier ein Gattungsdiskurs geführt wird. Zum Zweiten handelt es sich aber nicht um eine simple Ersetzung, sondern in der Regel um Verschiebungen: Verschiebungen der Tätigkeiten, von Kompetenzen, Verschiebungen in der maschinell-menschlichen Arbeitsteilung, Verschiebungen bzw. Veränderungen im Körper. Zum Dritten wird das, was mit Ersetzung bezeichnet wird, subjektiv sehr unterschiedlich erfahren und wahrgenommen. Zudem ändern sich die Bewertungen historisch wie kulturell, wie v. a. am Beispiel des Körpers deutlich wurde, indem die technische Ersetzung von Körperteilen nicht mehr nur als Reparatur sondern als eine Verbesserung gedeutet wurde.
Letztlich ist der Diskurs um die Ersetzung ein in gewisser Weise fundamentaler, der insofern immer wieder die Frage stellt: Was geschieht mit den Menschen in einer technischen Kultur? Die Debatten um Ersetzung verweisen auf die Historizität dessen, was als menschlich definiert wird. Und sie verweisen überdeutlich immer wieder, bis heute, auf den Unwillen der Menschen, in der Technik etwas anderes zu sehen, als ein Werkzeug, das ihrer Ermächtigung dient.
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