Einführung
Liebe Leserjnnen,
Mensch und Maschine: Dieses Verhältnis war und ist ein komplexes und ambivalentes. Maschinen machen das Leben leichter. Maschinen zeigen mit ihren Funktionen, was Menschen (weniger gut) können. Maschinen ergänzen und ersetzen menschliche Tätigkeiten und prägen damit als technisches Anderes nicht nur das Eigenbild des Menschen, sie verändern es maßgeblich. Mit Maschinen arbeiten Menschen schneller und effizienter, stoßen in andere Dimensionen von Zeit und Raum vor und werden selbst zu hybriden Mensch-Maschine-Wesen, den Cyborgs. Doch neben diesen Erfolgsgeschichten der Kooperation bis hin zur Symbiose von Mensch und Maschine gibt es den anderen Diskurs von Bedrohung und menschlicher Existenzangst. Angefangen von den Maschinenstürmern der Industrialisierung bis hin zum legendären Sieg von Deep Blue über Gari Kasparow im Schach ist das Mensch-Maschine Verhältnis auch von Konkurrenz und Unterlegenheitsängsten geprägt. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz bieten den aktuellen Anlass, in diesem Heft das Verhältnis von Mensch und Maschine in der Arbeitswelt wie im Privaten näher zu betrachten. Wissenschaftlerjnnen aus unterschiedlichsten Disziplinen zeigen in diesem Band der „Blätter für Technikgeschichte“, wie verschieden Mensch und Maschine in Beziehung gesetzt werden können.
Martina Heßler beschäftigt sich in ihrem Aufsatz mit der technischen Ersetzung des Menschen. Aber handelt es sich dabei immer um eine Ersetzung zu dessen Nachteil oder bietet der Einsatz von Maschinen nicht vielmehr eine Erleichterung oder Verbesserung in der Arbeitswelt? Wird der Mensch in seiner Gesamtheit durch Maschinen ersetzt oder beschränkt sich dies nur auf Teilbereiche des menschlichen Lebens? Eröffnen sich dadurch nicht auch neue Perspektiven? Diese Debatte besteht nicht erst seit den letzten Jahrzehnten, sondern hat ihren Anfang bereits im 17. Jahrhundert genommen und kann nicht nur auf das Szenario „Maschine ersetzt Mensch“ verkürzt werden. Es können auch bestimmte Körperteile oder -funktionen ersetzt werden. Heßler nennt Beispiele, bei denen dies nicht immer als Manko begriffen wird.
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