Astrid Weiss
Seit der Entstehung des Forschungsfeldes stellt es sich immer mehr heraus, dass die Problemstellungen, mit denen sich die MRI-Forschung befasst, sogenannte „wicked problems “ 5 sind, d. h. dass sie sich einer vollständigen Definition und Lösung entziehen und die Lösung eines Problems oft zu neuen Herausforderungen führt, die nicht absehbar waren.
Dieser Artikel soll einen Einblick in das Forschungsfeld der Mensch-Roboter- Interaktionsforschung geben. Er will seinen inter- und transdisziplinären Charakter und die damit einhergehenden wissenschaftlichen Herausforderungen aufzeigen und typische Anwendungsgebiete sowie ihre inhärenten Narrative kritisch reflektieren, wie die der Cobots in der Fertigung, der Riegeroboter für Senior_innen und der Gefährtenroboter als zukünftige Begleiter in unseren eigenen vier Wänden.
Mensch-Roboter-Interaktionsforschung (MRI)
Als Ursprung der MRI kann die Erforschung der Mensch-Maschine-Interaktion (MMI) oder auch die der „Human Factors“ betrachtet werden. Ein ursprüngliches Modell, das in diesem Forschungsbereich häufig zur Anwendung kam und aus den Kognitionswissenschaften adaptiert wurde, ist das sogenannte „Perception-Action-Environment System“ 6 . Das System modelliert Interaktion als einen Zyklus, in dem der Mensch seine Umwelt durch seine Sinne wahrnimmt, diese Wahrnehmung daraufhin seine ausführenden Aktionen beeinflusst und jene wiederum die Interaktion mit der Umgebung. Die MMI Forschung war bemüht dieses Modell auf Maschinen zu übertragen und sie für die Interaktion mit dem Menschen zu optimieren.
Der Schritt von der Mensch-Maschine- zur Mensch-Roboter-Interaktionsfor- schung lag vor allem in der Entwicklung einer neuen Qualität von Maschinen. Klassische Maschinen wie das Automobil, die Bohrmaschine, der Computer, aber auch eine einfache Kaffeemaschine haben gemeinsam, dass sie nicht autonom sind sondern passiv und abhängig vom sogenannten „User Input“; d. h. Menschen steuern und kontrollieren diese Maschine. Systeme wie Industrieroboter, Haushaltsroboter und Exoskelette, sind hingegen autonom und (pro-)aktiv. Die Entstehung der Mensch-Roboter-Interaktionsforschung ist aber auch damit einhergegangen, dass die Robotik lange Zeit Expertjnnen als Zielgruppe für
5 Horst W. J. Rittei, Melvin M. Webber: Dilemmas in a general theory of planning, in: Policy sciences, 4 (1973), Heft 22, S. 155-1 69.
6 James J. Gibson: The ecological approach to visual perception, Boston 1979.
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