Astrid Weiss
lernen, Verhaltensnormen befolgen etc.), setzt Intentionalität und die Fähigkeit zu verstehen, was eine Norm ist, voraus. Da Roboter derzeit nicht über solche Fähigkeiten verfügen - zumindest nicht in der Art und Weise, wie sie im Verhältnis zu unseren gegenwärtigen begrifflichen Normen definiert sind - sind solche Charakterisierungen streng genommen falsch . 22
Generell werden die Begriffe Interaktion, Kooperation und Kollaboration im Forschungsfeld oft synonym verwendet, auch wenn es klare Unterschiede in der Art der Zusammenarbeit gibt . 23 Interaktion kann als eine Art Überbegriff verstanden werden: Mensch und Roboter stehen in einem Input-Output-Verhältnis zueinander; die Interaktion wird als das Wechselspiel zwischen den Akteuren verstanden. Der Unterschied zwischen Mensch-Roboter-Kooperation und -Kollaboration liegt im Ausmaß, in dem die vom Menschen und vom Roboter ausgeführten Arbeitsaktivitäten voneinander abhängen. Bei der Kooperation sind die Handlungen nicht direkt voneinander abhängig, da Mensch und Roboter an unterschiedlichen Teilaufgaben arbeiten, die dann zu einem gemeinsamen Endergebnis führen. Die Interaktion mit Pick-and-Place-Robotern in der Produktion kann als Beispiel für diese Form der Zusammenarbeit dienen. Bei der Kollaboration arbeiten Mensch und Roboter direkt zusammen, d. h. alle Aufgaben, die zur Zielerreichung führen, werden von Mensch und Roboter gemeinsam durchgeführt, sodass eine Form von Koordination erforderlich ist.
Problemstellungen in der MRI-Forschung
MRI-Forscher_innen interessieren sich für die Entwicklung von Robotersystemen, die auf dem Verständnis und der Interpretation eines Domänenproblems basieren. Der Roboter selbst sowie seine Interaktionsmuster sind somit sowohl ein Ausdruck von einem domänenspezifischen Verständnis als auch eine technologische Antwort auf kontextuelle Fragen. Betrachten wir beispielsweise einen Roboter, der für eine Pflegeeinrichtung entwickelt wurde. Nach sorgfältiger Abwägung der Anforderungen der verschiedenen Interessensgruppen und dem Kennenlernen des vorgesehenen Nutzungskontextes und der potenziellen
22 Johanna Seibt: „Integrative Social Robotics” - A New Method Paradigm to Solve the Description Problem And the Regulation Problem? In: Johanna Seibt, Marco Norskov, Soren Schack Andersen (Hg.): What Social Robots Can and Should Do-Proceedings of Robophilosophy 2016/ TRANSOR 2016, S. 104-115.
23 Ari Kolbeinsson, Erik Lagerstedt, Jessica Lindblom: Foundation for a classification of collaboration levels for human-robot cooperation in manufacturing, in: Production & Manufacturing Research. An open access journal 7 (2019), Heft 1, S. 448-471.
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