Astrid Weiss
langwieriger Vorgang sein kann, sind Lohnstückkosten und menschliche Belastbarkeit wesentlich. Es wurde daher erwartet, dass die Zusammenarbeit mit dem Cobot die Arbeitsbelastung des Menschen erheblich reduzieren würde. Sie umfasste immer auch das Einlernen neuer Positionen, da Stranggussformen in der Regel Unikate sind, die nicht in größerer Stückzahl hergestellt werden. Das Polieren ist der bei weitem arbeitsintensivste Produktionsschritt, der viele Arbeitsstunden pro Form erfordert, weshalb das Einlernen der Positionen den relevantesten Teil der Zusammenarbeit darstellte.
Das AssistMe Projekt zielte darauf ab, die Auswirkungen verschiedener Interaktionsparadigmen für Cobots im Fabrikskontext zusammen mit Arbeiterinnen der jeweiligen Industriepartner zu untersuchen. Die Art der Zusammenarbeit und die zu automatisierenden Teile der Arbeitsabläufe waren in der Projektvision vordefiniert. Ebenso waren die drei Ausbaustufen der Interaktionsparadigmen bereits im Voraus geplant. Sie wurden von den technischen Projektpartnerjnnen gemeinsam mit Vertreterinnen beider Industriepartner definiert, allerdings nicht durch Arbeitsplatzanalysen erhoben. Die Nutzer_innen-Einbindung bestand aus einer Reihe von Studien, in beiden Anwendungsbereichen für jede Ausbaustufe, mit denselben fünf Arbeiterinnen, die in der Regel an dieser Stelle im Herstellungsprozess tätig waren. Den Studienteilnehmerjnnen wurde gezeigt, wie sie das Einlernen der Positionen durchführen sollten, und sie wurden anschließend gebeten, dies selbst zu tun, im ersten Durchlauf mit Hilfestellung, falls erforderlich, im zweiten ohne. Danach konnten sie die Zusammenarbeit mit dem Cobot ausprobieren. Begleitet wurden die Studien von Videoaufnahmen, mobiler Blickverfolgung, der Think-aloud-Technik (dem lauten Mitdenken von Arbeitsschritten) und Fragebögen . 46 Im Automobilkontext wurden diese Studien in der Werkstatt der Fabrik, nicht aber in der eigentlichen Produktionslinie durchgeführt. Im Zusammenhang mit dem Polieren wurden die Studien im Labor der Fabrik durchgeführt. Potentielle Anwender_innen hatten die Möglichkeit, ihre Gedanken über die Verwendbarkeit der Roboter in verschiedenen Entwicklungsstadien zum Ausdruck zu bringen, aber wenig Gelegenheit, andere für sie wichtige Themen anzusprechen oder die Roboter über einen längeren Zeitraum tatsächlich in der Linie zu erleben. Eine Ausnahme war die erste Ausbaustufe des Roboters in der Automobilfabrik. Hier wurde der Roboter tatsächlich in die
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