Aufsatz 
Wenn Menschen und Roboter in Interaktion treten - Beispielhafte Problemstellungen und Anwendungsgebiete eines transdisziplinären Forschungsfeldes / Astrid Weiss
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Menschen und Roboter in Interaktion

auch von Parasozialität und parasozialen Interaktionen . 71 In der MRI kann para­soziale Interaktion als eine Tendenz verstanden werden, dass sich Nutzerjnnen so verhalten, als ob sie an einer reziproken Interaktion teilnehmen, bei der auch dem Roboter kognitive und affektive Komponenten (bewusst oder unbewusst) zugeschrieben werden.

Bisherige Studien zu Gefährtenrobotern haben empirische Evidenz für die dem Menschen innewohnende Neigung zur Anthropomorphisierung gegeben , 72 was die Wahrnehmung von Robotern als soziale Agenten ermöglicht , 73 so dass Menschen willentlich an parasozialen Beziehungen mit solchen Robotern teil­nehmen . 74

Ebenso zeigen diese Studien jedoch auch, dass bisher kommerziell erhältliche Roboter meist eher als kurzfristiges Unterhaltungsspielzeug und nicht als Ge­fährten angesehen werden und ihre Funktionalität auch nicht nachhaltig in den Alltag integriert wird . 75 Bislang zeigt sich, dass die Sozialität eines Roboters durch die Handlungen und Sinngebungen von und mit anderen menschlichen Akteuren konstruiert wird ; 76 eine Beobachtung, die wir auch im SharedSpace Projekt machen konnten. Dennoch fehlen der MRI-Forschung noch Erkennt­nisse, welche Auswirkungen komplexere Gefährtenroboter auf unser mensch­liches Zusammenleben haben werden. Zum Beispiel könnte sich der Einzug von Gefährtenrobotern in unseren Alltag langfristig negativ auf unsere Fähigkeit auswirken, zwischenmenschliche Beziehungen zu führen. Diese und ähnliche Ängste, die mit der Robotisierung verbunden sind, sind generell nicht neu. Und die Antwort auf die Frage, ob die Mensch-Roboter-Beziehung der Zukunft eine positive oder negative sein wird, wird nie eindeutig sein sondern sehr viel Va­riation bieten. Gerade deshalb ist es notwendig, die Diskussion über die Natur von Robotern auf der Grundlage von empirischer Evidenz und fundierten Vor­hersagen zu führen, anstatt einer romantisierenden oder dystopischen Fiktion

71 Donald Horton, Richard Wohl: Mass communication and para-social interaction: Observations on intimacy at a distance, in: Psychiatry 19 (1956) 3, S. 215-229.

72 Brian R. Duffy: Anthropomorphism and the social robot, in: Robotics and autonomous systems 42 (2003) 3-4, S. 177-190.

73 Rachel L. Severson, Stephanie M. Carlson: Behaving as or behaving as if? Children's concepti­ons of personified robots and the emergence of a new ontological category, in: Neural Networks 23 (2010) 8-9, S. 1099-1103.

74 Maartje De Graaf, Somaya Ben Allouch, Tineke Klamer: Sharing a life with Harvey: Exploring the acceptance of and relationship-building with a social robot, in: Computers in human behavior 43 (2015), S.1-14.

75 De Graaf, Ben Allouch, Van Dijk, siehe Anmerkung 38.

76 Wan-Ling Chang, Selma Sabanovic: Interaction expands function: Social shaping of the thera­peutic robot Paro in a nursing home, in: Proceedings of the 10th Annual ACM/IEEE International Conference on Human-Robot Interaction (HRI 15), Portland, Oregon 2015, S. 343-350.

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