Astrid Weiss
nalen Unterstützung (z. B. in Form von Gefährtenrobotern), Telepräsenz, Unterhaltung und Fitness werden Anwendungsfälle für Serviceroboter gesehen. Das Potenzial formelle und informelle Riegekräfte bei ihrer Arbeit mit Riegerobotern unterstützen zu können wird in der Forschung oft als gegeben angenommen. Bislang fehlen laut den Autorjnnen jedoch Belege für psychosoziale Effekte des Einsatzes von Robotern in der Riege, da Langzeitstudien mit prototypi- schen Robotern immer noch sehr herausfordernd in der Durchführung sind. Darüber hinaus wird die Kosteneffizienz in der Forschung bislang nur selten berücksichtigt.
Während viele Projekte Seniorjnnen bereits als potenzielle Endnutzerjnnen in die Entwicklung von Riegerobotern einbeziehen, werden andere sekundäre und tertiäre Nutzerjnnen nur in wenigen Fällen erwähnt . 68 Darüber hinaus erfolgt die Einbeziehung von Interessensgruppen meist in einer späten Phase von Projekten, in der viele (technologiegetriebene) Entscheidungen bereits getroffen wurden. Zukünftige Forschungsprojekte im Bereich der Riegerobotik müssen einen systematischen Weg finden, um ein breites Spektrum potenzieller Interes- senvertreterjnnen in allen Phasen der Technologieentwicklung einzubeziehen. Die Ausgangsfrage zukünftiger Entwicklungsprojekte im Bereich Riegerobotik sollte daher jene nach den Aufgaben in einem Riegekontext sein und sich nicht vorrangig nach technischer Machbarkeit richten. Außerdem muss sich die MRI- Forschung auch der Herausforderung stellen, wie robotische Riege bewertet werden soll: Was macht „gute“ Riege durch einen Roboter aus?
Die Beziehungen, die Menschen zu Robotern haben, werden oftmals lediglich in Form von Nützlichkeit und Funktionalität beschrieben, da Roboter als physische Objekte/technologische Artefakte ihre Funktionen als Hauptcharakteristikum haben. Nützlichkeit und Funktionalität sind als Charakteristika jedoch unzureichend, wenn es darum geht, der realen Komplexität von Mensch-Tech- nik-Beziehung Rechnung zu tragen . 69 Dies gilt umso mehr bei Gefährtenrobotern, die unter anderem auch als „relational artefacts “ 70 bezeichnet werden, da sie absichtlich so gestaltet werden, dass die Interaktionen auf einer sozialen und/oder emotionalen Ebene stattfindet. In diesem Zusammenhang spricht man
68 Lewis Lundy, Ted Metzler, Linda Cook: Evaluating Human-Robot interaction using a Robot exercise instructor at a senior living community, in: Naoyuki Kubota, Kazuo Kiguchi, Honghai Liu u. a. (Hg.): 9th International Conference on Intelligent Robotics and Applications (ICIRA 2016), Tokyo 2016, S. 15-25.
69 Peter-Paul Verbeek: COVER STORY Beyond interaction: a short introduction to mediation theory, in: Interactions (ACM) 22 (2015) 3, S. 26-31.
70 Sherry Turkle, Will Taggart, Cory D. Kidd u. a.: Relational artifacts with children and elders: the complexities of cyber companionship, in: Connection Science 18 (2006) 4, S. 347-361.
54