Menschen und Roboter in Interaktion
unter Druck gerät. Roboter sollen die überforderten menschlichen Riegekräfte entlasten können, indem sie z. B. körperlich anstrengende oder Routine-Tätigkeiten übernehmen. 64 Damit wären die Riegekräfte frei für die emotionale Arbeit und die qualitative Riege. Doch während sich Robotik und künstliche Intelligenz (Kl) ständig weiterentwickeln, bleiben die Versprechen des Narrativs weitgehend unerfüllt, und die bisher ersetzbaren Technologien kommen in der täglichen Praxis der Riege und für pflegebedürftige Menschen kaum real zur Anwendung. Es lassen sich zwei Hauptgründe ausmachen: (1) die Technologie ist noch weit entfernt von dem, was für die Art von universellem Riege-Roboter, wie er unter anderem im Hobbit Projekt visioniert wurde, benötigt wird, und (2) die Riege kann nicht auf ihre funktionalen Aspekte in einer dyadischen Ro- boter-Mensch-Konstellation reduziert werden, sondern befindet sich in einem komplexen sozio-materiellen System (ähnlich wie Cobots in der industriellen Fertigung), in dem wir noch keine angemessene und wünschenswerte Rolle der Technologie gefunden haben.
Robotische Assistenz kann vor allem in den instrumenteilen Aktivitäten des täglichen Lebens technisch umgesetzt werden, obwohl diese eigentlich zu den komplexeren Tätigkeiten zählen. Dennoch kann ein Roboter eher an Termine erinnern, Kommunikation mit Angehörigen ermöglichen, Fitnessübungen begleiten, oder Unterhaltung bieten, wie Radio hören oder einfache Gedächtnistrainings (alles Funktionen die unter anderem im Hobbit Projekt umgesetzt wurden). 65 Assistenz in den grundlegenden Aktivitäten des täglichen Lebens, wie Ankleiden, Hygiene, Essen, die als essentiell für zukünftige Riegeroboter erachtet werden, stellen technisch noch große Herausforderungen dar. Aktuell laufende Projekte versuchen Roboter zur Unterstützung des Ankleidens oder eine intelligente, automatische Dusche zu entwickeln, 66 aber diese Systeme befinden sich bislang in einer ersten Konzeptualisierungsphase.
Laut einer Studie von Sabine Payr, Franz und Katharina Werner besteht ein hohes Potenzial für robotergestützte Riegetechnologie zur Unterstützung von Primär-, Sekundär- und Tertiärnutzer_innen. 67 Vor allem in den Bereichen der Erhaltung der Mobilität, Körperpflege, Haushaltsführung, sozialen und emotio-
64 Fischer, Seibt, Rodogno, siehe Anmerkung 24.
65 Markus Bajones, David Fischinger, Astrid Weiss u. a.: Hobbit: Providing fall detection and prevention for the elderly in the real world, in: Journal of Robotics, special issue: Human-Robot Interaction (2018).
66 http://i-dress-project.iri.upc.edu/ (6.8.2020) bzw. http://www.i-support-project.eu/ (6.8.2020)
67 Sabine Payr, Franz Werner, Katharina Werner: Potential of robotics for ambient assisted living, Abschlussbericht der Studie: Potenzial und Grenzen von aktueller Robotik zur Nutzung im Themenfeld des Ambient Assisted Living, Projekt Nr. 4719346. Wien 2015.
53