Aufsatz 
Wenn Menschen und Roboter in Interaktion treten - Beispielhafte Problemstellungen und Anwendungsgebiete eines transdisziplinären Forschungsfeldes / Astrid Weiss
Entstehung
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Astrid Weiss

aus der Produktion, nicht für realisierbar gehalten. 59 Das angestrebte Ziel ist vielmehr eine Schulter-an-Schulter-Kooperation zwischen Menschen und ver­schiedenen Arten von intelligenten Maschinen. 60 Tatsächliche Mensch-Robo- ter-Kooperation oder -Kollaboration (MRK) in Montagelinien ist jedoch deutlich schwieriger umzusetzen als die Automatisierung einzelner Arbeitsabläufe. 61 Bis­her lag der Schwerpunkt der Mensch-Roboter-Interaktionsforschung in diesem Bereich - ähnlich wie im AssistMe Projekt - in der Erforschung dyadischer MRK Szenarien und versuchte das angemessene Maß an Zusammenarbeit und Automatisierung zu identifizieren. Aufgrund der technologischen Weiterentwick­lung kann und sollte sich die Forschung nun aber die übergeordnete Frage stellen: Wie lässt sich die Arbeit zwischen Mensch und Automatisierung und Cobots optimal aufteilen? 62

Die Fabrik der Zukunft erfordert geeignete Kooperationsparadigmen, die die unterschiedlichen Eigenschaften von Mensch und Roboter (z. B. Fähigkeiten) in ihrer Beziehung berücksichtigen. Dadurch werden wir auch Erkenntnisse er­zielen wie die Zusammenarbeit mit Cobots tatsächlich erlebt wird. Denn MRK bedeutet viel mehr als das Teilen von physischem Raum und einer Aufgabe mit einem intelligenten maschinellen System. Die Vorteile sowohl der menschlichen als auch der maschinellen Fähigkeiten müssen in der industriellen Arbeitsumge­bung durch eine sozio-technische Gestaltung der Arbeit genutzt werden. Auf­grund der bisherigen Dominanz ingenieurwissenschaftlicher Perspektiven in der Industrie 4.0 laufen wir Gefahr, den Menschen als sinngebenden Akteur in einer Fabriksumgebung aus den Augen zu verlieren. Es gilt Interaktionsparadigmen zu schaffen, die die Fragmentierung von Tätigkeiten, wie sie auch das AssistMe Projekt aufgezeigt hat, verhindern. Diese neuen Interaktionsparadigmen müssen in weiterer Folge auch Langzeitstudien zu Fähigkeitsprofilen unterzogen wer­den: Was muss der Arbeiter der Zukunft können, um diese sogenannten Co­bots zu programmieren und flexibel zum Einsatz zu bringen? 63 Pflegeroboter werden nach dem Narrativ entwickelt, das Pflegesystem zu ent­lasten, das unter anderem durch den demographischen Wandel immer mehr

59 Kolbeinsson, Lagerstedt, Lindblom, siehe Anmerkung 23.

60 Astrid Weiss, Roland Buchner, Manfred Tscheligi u. a.: Exploring human-robot cooperation possi­bilities for semiconductor manufacturing, in: IEEE: 2011 International Conference on Collabora­tion Technologies and Systems (CTS), Philadelphia, PA 2011, S. 173-177.

61 Kolbeinsson, Lagerstedt, Lindblom, siehe Anmerkung 23.

62 Philippe Palanque, Pedro F. Campos, Jose Abdelnour Nocera u. a.: User Experience in an Auto­mated World, in: IFIP Conference on Human-Computer Interaction (INTERACT 2019), Paphos 2019, S. 706-710.

63 Gudela Grote: Wie sich Mensch und Technik sinnvoll ergänzen: die Analyse automatisierter Pro­duktionssysteme mit KOMPASS (= Mensch, Technik, Organisation 19), Zürich 1999.