Aufsatz 
Neues vom Schöpfungsakt : Utopien und Dystopien hinsichtlich einer Sexualität von morgen / Christian Stadelmann
Entstehung
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Christian Stadelmann

stellt, obschon sie damit nur ihre eindeutigen ökonomischen Interessen ver­folgen. Ihre Kunden seienganz normale Menschen aus allen Sozialschichten, erklären sie, und vorrangiges Motiv, eine Puppe zu kaufen, sei ohnehin das Be­dürfnis nach Gesellschaft. 31

Seitdem ernsthaft versucht wird, sogenannte Sexroboter zum Kauf anzubieten, ist es eine gängige Rechtfertigungsstrategie der Hersteller gegenüber geäu­ßerter Kritik, die sozialen Komponenten ihrer Produkte zu betonen. Bereits beim ersten Versuch, 2010, einenSexroboter auf dem Markt zu etablieren, wurde dessen sozialer Hintergrund betont. Sein Entwickler, Douglas Hines, konnte mit einer abenteuerlichen Geschichte aufwarten, die erklärte, weshalb er sich dazu entschlossen hatte, einen solchen Roboter zu entwickeln. Die Anfänge gingen demnach auf den Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 zurück, bei dem Hines einen guten Freund verloren habe. Er habe ver­sucht, dessen Persönlichkeit zu erhalten. Ein Schlaganfall seines Vaters hätte ihn im Weiteren dazu motiviert, ein System zu entwickeln, das es ihm erlaubte, mit diesem weiterhin kommunizieren zu können. 32 Unter großem medialem Ge­töse präsentierte Hines dann 2010 auf derAdult Entertainment Expo, einer Erotikmesse in Las Vegas, den erstenSexroboter namensRoxxxy. Eigentlich handelte es sich um eine klobige und im wahrsten Sinne des Wortes ungelenke Schaufensterpuppe mit schlecht sitzender Perücke. 33 Auch mit viel Phantasie ist es wohl sehr schwer, hinter den veröffentlichten Presseauftritten besondere erotische Ansätze zu erkennen, geschweige denn soziale Aspekte. Nichtsdes­totrotz wurde Hines noch 2015 attestiert, dass er sich bemühe, den Puppen eine Würde zu verleihen und dass er versuche, sieals Helferinnen im Gesund­heitswesen und in der Kindererziehung, als Begleiterinnen für ältere Menschen und als Berater für Konsumenten einzusetzen. 34

31 So lautet auch die Antwort des Marktführers in Deutschland auf eine Mailanfrage hin (Mail vom 15.10.2020). Die gleichzeitig gestellte Frage nach dem meistverkauften Produkt wird mit einem Link hin zu einemsehr beliebten Modell beantwortet. Es handelt sich dabei umReal Doll Jea­nelle aus thermoplastischen Elastomeren,166 cm, C Cup, inkl. Gel gefüllter Brust mit den Liebesöffnungen: anal, oral, vaginal, das um 1754 Euro und 81 Cent feilgeboten wird. Sie hat einesüdländisch gebräunte Haut,braune Augen,langes blondes Haar, einerasierte Vulva und eineaustauschbare Vagina. Versprochen wirdmaximales Vergnügen mit Deiner neuen Liebsten. Mögliche soziale Vorzüge bleiben unerwähnt, https://www.realdoll24.at/sofort-liefer- bar/633/real-doll-jeanelle-166-cm-c-cup-auf-lager?c=292 (17.10.2020)

32 Jenny Kleeman: The race to build the first sex robot, in: The Guardian, 27.4.2017, https://www. theguardian.com/technology/2017/apr/27/race-to-build-world-first-sex-robot (17.10.2020)

33 Devlin, siehe Anmerkung 6, S. 121.

34Though clearly designing sex dolls, Hines also made efforts to dignify the dolls by writing that they could be used for more lofty purposes; he said he envisioned using female robots not only for sex but also for service as health care assistants and companions for the elderly, aides in chil­drens education [...], and for consumer help, in: Wosk, siehe Anmerkung 4, S. 163.

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