Neues vom Schöpfungsakt
muss nicht mit einem schweren Koffer unter dem Arm einen Sexshop verlassen und durch die Straßen gehen. Man lässt sich einen solchen nur noch diskret vor der Wohnungstüre abstellen.
Rechtfertigungen
Damit ist der Hintergrund für die massenmediale Präsenz von Sexpuppen (und ,,-robotem“) skizziert, die vor einigen Jahren losgebrochen ist. In deren Gefolge hat sich auch eine heftige Debatte entsponnen, die bis heute andauert und fortwirkend Medieninteresse hervorruft. Nicht nur in Lifestyle-Magazinen und der Boulevardpresse wird die Diskussion ausgetragen, sondern genauso in Nachrichtenmagazinen und auf Wissenschaftsportalen. Es werden Psycholog_innen und Soziologjnnen, Ethikerjnnen und natürlich Robotiker_innen und Kl-For- scherjnnen aufgeboten, um ihre Argumente auszutauschen. Von Seiten der Gegnerjnnen der Idee der „Sexroboter“ wird erklärt, diese sei insofern höchst problematisch, als sie von vornherein frauenverachtend sei. Es handle sich ja nicht um Subjekte und deshalb würden sie die Vorstellung befördern, dass Frauenkörper und damit Frauen für Männer bestimmt seien. Dieser Sachverhalt rechtfertige sogar ein Verbot von „Sexrobotern“ 29 - was jedenfalls eine bemerkenswerte Parallele zum Anfang des 20. Jahrhunderts wäre, als der Verkauf und Besitz von Gummipuppen behördlich verfolgt worden ist. Das Hauptargument der Befürworterjnnen der Idee „Sexroboter“ lautet, dass diese einen ungezwungeneren Umgang mit Sexualität ermöglichen und auch Personen, denen auf andere Weise der Zugang dazu erschwert ist - behinderten oder alten Menschen etwa - ein erfülltes Sexualleben haben könnten. Womöglich könnten sogar Prostitution und Vergewaltigungen damit verhindert, oder auch Pädophilie kanalisiert werden. 30
Gewissermaßen zum Drüberstreuen kommen in diesen Diskussionen jener, die mit einem mehr oder minder abgesicherten wissenschaftlichen Hintergrund ihre Thesen vertreten, immer wieder auch Entwickler und Händlerinnen zu Wort. Deren Argumente werden dann gleichrangig neben analytische Ansätze ge-
29 Vgl. u. a. Tanja Wieser: Barbie 2.0. Sexpuppen sind leistbar und gefügig. Was macht das mit uns? In: Datum, September 2018, https://datum.at/barbie-2-0/ (20.9.2018), Wennerscheid, siehe Anmerkung 8, S. 162; Christopher Trout: The truth about Sex Robotics. Panic, pleasure and a candlelight dinner, 6.5.2018, https://www.engadget.com/2018/06/05/the-truth-about-sex-ro- bots/?guccounter=1 (12.6.2018).
30 Vgl. u. a. Levy, siehe Anmerkung 6, S. 215 u. 301; Wieser, siehe Anmerkung 29; Wennerscheid, siehe Anmerkung 8, S. 157.
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