Neues vom Schöpfungsakt
Die Sozialwissenschaften hinterfragen solch aufgeregte Meldungen höchstens ansatzweise. Auch sie gehen wie selbstverständlich davon aus, dass „Serviceroboter [...] schon in naher Zukunft exponentiell zunehmen“ würden und „mit einer ähnlichen Selbstverständlichkeit Teil unseres Lebens“ werden, „wie es Smartphones und Computer heute schon sind.“ 60 Und eingedenk der nicht näher erklärten „rasanten Fortschritte im Bereich der Sozialrobotik einerseits und in der Entwicklung von künstlicher Intelligenz andererseits“ sei es „vorstellbar, dass es in absehbarer Zeit humanoide Roboter geben“ werde, „die nicht nur als soziale Begleiterinnen, sondern auch als intime Gefährtinnen einsetzbar“ seien. 61 „Schon in naher Zukunft“ und „in absehbarer Zeit“ sind Begriffe, die, sofern sie nicht genauer erklärt werden, keinen heuristischen Nutzen haben. Wann ist das? Geht das vielleicht ein bisschen genauer? Und falls ja, weshalb gerade dann? Welche technischen Voraussetzungen, die uns derzeit noch nicht zur Verfügung stehen, werden dann gegeben sein?
Die Prognose
Wirkmächtig für solche Vorstellungen ist ein Buch über „Sexroboter“ von David Levy gewesen, das erstmals 2007 erschienen ist. Levy ist eigentlich als sehr erfolgreicher Schachspieler und Autor von Büchern über seine Profession bekannt geworden. In „Love & Sex with Robots“ vertritt er die markante These, dass Roboter bis etwa 2050 für Menschen ausgesprochen attraktiv werden würden und dass sie bis dahin auch die Fähigkeit haben würden, sich in Menschen zu verlieben und sich für diese attraktiv und sexuell begehrenswert zu machen. 62 Die Roboter würden um die Mitte des 21. Jahrhunderts „auch ein menschenähnliches oder übermenschliches Bewusstsein und Gefühle besitzen“, 63 erklärt er darüber hinaus. Die „Roboter der Zukunft“ werden lernen, indem sie beobachten, was uns glücklich macht, und sie werden unsere Wünsche
60 Tanja Kubes: Technik jenseits von Geschlecht? Eine kritische Reflexion der Verschränkung von Geschlecht und Technik, 2020, https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-662-61 570-6_4 (16.10.2020)
61 Wennerscheid, siehe Anmerkung 8, S. 154.
62 „Accepting that huge technological advances will be achieved by around 2050 my thesis is this: Robots will be hugely attractive to human as companions because of their many talents, senses and capabilities. They will have the capacity to fall in love with humans and to make themselves romantically attractive and sexually desireable to humans“, in: Levy, siehe Anmerkung 6, S. 21 f.
63 „The robots of the mid-twenty-first century will also possess humanlike or superhuman-like consciousness and emotions“, in: Ebd, S. 10.
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