Neues vom Schöpfungsakt
ohne näher darauf einzugehen, 69 oder sie zitieren sie vorsichtig und im Konjunktiv. 70 Nur die Informatikerin Kate Devlin zeigt sich begeistert von der These Levys. 71 Das erstaunt insofern, als man erwarten würde, dass eine Informatikerin nach den technischen Voraussetzungen und der Umsetzbarkeit fragt. Gerade darauf gibt Levy aber keinerlei Antworten, ja, er stellt nicht einmal Fragen dazu. Es fällt insgesamt auf, dass in all den Diskussionen um „Sexroboter" die Möglichkeiten der technischen Umsetzung fast überhaupt keine Rolle spielen. Man müsste doch meinen, dass dies der Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist. Bei meinen Recherchen ist mir keine einzige Aussage eines der approximativen Anbieter von „Sexrobotern“ untergekommen, die präzise Angaben über die eingesetzte Technik oder deren Wartung beinhalten würde. Womöglich liegt das daran, dass dies nach dem Motto „es wird schon funktionieren" niemanden so genau interessiert, aber angesichts der doch recht konkret vorgenommenen Prognosen wäre das doch interessant.
„Werden Männer in einer Welt der Robotik in der Lage sein, den perfekten, ultrarealistischen weiblichen Roboter zu erschaffen, dessen Künstlichkeit nicht entdeckt werden kann, so dass es keine Akzeptanzlücke mehr geben wird?“ hat July Wosk 2015 gefragt. 72 Und: „Wenn diese völlig überzeugenden menschlichen Doppelgänger geschaffen werden, welche beunruhigenden Auswirkungen wird dies sowohl für Frauen als auch für Männer haben?“ 73 Die Skandinavien Sophie Wennerscheid zieht die Science Fiction-Filme „Blade Runner 2049“ und „Her“ als Referenz für mögliche zukünftige Geschlechterbeziehungen heran. 74 Aber aus Mangel an Hinweisen auf die technischen Grundlagen, muss man fragen, warum gerade diese beispielhaft vorgestellt werden. Unter
69 Heßler, Sternagel, siehe Anmerkung 1 2, S. 371.
70 Wennerscheid, siehe Anmerkung 8, S. 154f.
71 Devlin, siehe Anmerkung 6, u. a. S. 155f.
72 „In the second decade of the twenty-first century, we may also ask much broader questions: In the world of robotics, will men be able to create the perfect, ultrarealistic female robot whose artifice is completely undetectable so that the uncanny effect would no longer exist?“, in: Wosk, siehe Anmerkung 4, S. 158.
73 „When these totally persuasive human doubles are created, what will be the troubling implications for both women and men?“, in: Ebd.
74 „Science-Fiction-Filme zeigen, welche Formen das in Zukunft möglicherweise annimmt. Wenn Officer K/Joe, der Protagonist aus Blade Runner 2049 (2017), abends von seinem Hologramm Joi begrüßt wird, dann treffen sich da nicht zwei Individuen mit festen Identitäten, sondern fluide und digital miteinander verschaltete Figuren, die nicht nur, wie im Falle Jois, permanent ihre Gestalt ändern können, sondern auch, wie bei K/Joe der Fall, aufgrund implantierter Erinnerungen keine Gewissheit darüber haben, wer sie eigentlich sind. Ähnliche Formen der Auflösung klar zuordenbarer Identitäten und Begehrensmuster finden sich auch in Spike Jonzes futuristischem Liebesfilm Her (2013), in dem das Betriebssystem Samantha am Ende seiner Liebesbeziehung zu Theodore erklärt, dass es in 641 andere Systeme und User verliebt ist“, in: Wennerscheid, siehe Anmerkung 8, S. 13.
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