Aufsatz 
Neues vom Schöpfungsakt : Utopien und Dystopien hinsichtlich einer Sexualität von morgen / Christian Stadelmann
Entstehung
Seite
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Neues vom Schöpfungsakt

Man darf aber annehmen, dass es auf der mechatronischen Seite anders aus­schaut. Das, was heute unterSexroboter verstanden wird, ist nicht mehr ver­gleichbar mit den seinerzeitigen Sexpuppen. Die technische Leistungsfähigkeit ist scheinbar weit jenseits dessen, was billige aufblasbare Sexpuppen bis An­fang der 2000er-Jahregekonnt haben.

Abgesehen davon, dass dieseRobotersprechen können, sind sie mit einer Reihe anderer Funktionen begabt. Wie wir bereits gelesen haben, können sie angeblich einen Orgasmus erleben.Samantha verfügt demnach über einen sexuellen Modus, den man einschalten kann. Im Falle der Penetrationkommt sie dann. Dahinter steckt eine womöglich gefinkelte Zusammenschaltung von Berührungssensoren und der entsprechenden Software, deren Auswertungen akustisch umgesetzt werden. EinRoboter erlebt demnach dann einen Or­gasmus, wenn ein Programm aufgrund der Berührung bestimmter Sensoren abspult, was ihm aufgrund der akustischen Einspielungen einer größeren Zahl pornographischer Filmegelehrt worden ist. Aber ob es sich dabei um jene Art von Empfindungen handelt, dieSexroboter den Prognosen nach zu unseren zukünftigen Sexualpartnern werden lässt, sei dahingestellt. Menschliche Emp­findung ist das Resultat von einer Vielzahl von Wahrnehmungen und Handlun­gen vor dem Hintergrund eines Bewusstseins. Die Sinneseindrücke sind man­nigfach und werden auch unbewusst wahrgenommen. Wie solch ein Empfinden technisch reproduziert werden kann, ist gegenwärtig völlig unklar. Es gibt kei­nerlei Ansätze zu einem technisch funktionierenden Empfinden, und so kann auch niemand seriös eine Prognose darüber abgeben, wann und ob überhaupt Roboter sich dereinst freuen und trauern, uns lieben und verachten, Schmerz und Begeisterung verspüren und uns das auch adäquat mitteilen können. Nirgendwo gibt es Antworten auf solche Fragen, aber solche sind in der ganzen Diskussion offenbar auch ziemlich bedeutungslos. Seit Levys Erklärung, dass dieRoboter der Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts auch über ein men­schenähnliches oder übermenschliches Bewusstsein sowie menschenähnliche Emotionen verfügen würden, 78 wird dies unverdrossen kolportiert und kaum einmal hinterfragt. Sie auszublenden hat zweifelsohne auch eine suggestive Wirkung auf die Leserjnnen und potentielle Nutzer.

Einfacher als der Erzeugung von künstlichen Emotionen nachzuspüren ist es vielleicht, die Sprachfunktion vonSexrobotern zu ergründen. Wie also funktio­niert die Kommunikation mit ihnen?

78The robots of the mid-twenty-first century will also possess humanlike or superhuman-like con­sciousness and emotions, in: Levy, siehe Anmerkung 6, S. 10.

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