Neues vom Schöpfungsakt
Man darf aber annehmen, dass es auf der mechatronischen Seite anders ausschaut. Das, was heute unter „Sexroboter“ verstanden wird, ist nicht mehr vergleichbar mit den seinerzeitigen Sexpuppen. Die technische Leistungsfähigkeit ist scheinbar weit jenseits dessen, was billige aufblasbare Sexpuppen bis Anfang der 2000er-Jahre „gekonnt“ haben.
Abgesehen davon, dass diese „Roboter“ „sprechen“ können, sind sie mit einer Reihe anderer Funktionen begabt. Wie wir bereits gelesen haben, können sie angeblich einen Orgasmus erleben. „Samantha“ verfügt demnach über einen „sexuellen Modus“, den man einschalten kann. Im Falle der Penetration „kommt“ „sie“ dann. Dahinter steckt eine womöglich gefinkelte Zusammenschaltung von Berührungssensoren und der entsprechenden Software, deren Auswertungen akustisch umgesetzt werden. Ein „Roboter“ erlebt demnach dann einen Orgasmus, wenn ein Programm aufgrund der Berührung bestimmter Sensoren abspult, was ihm aufgrund der akustischen Einspielungen einer größeren Zahl pornographischer Filme „gelehrt“ worden ist. Aber ob es sich dabei um jene Art von Empfindungen handelt, die „Sexroboter“ den Prognosen nach zu unseren zukünftigen Sexualpartnern werden lässt, sei dahingestellt. Menschliche Empfindung ist das Resultat von einer Vielzahl von Wahrnehmungen und Handlungen vor dem Hintergrund eines Bewusstseins. Die Sinneseindrücke sind mannigfach und werden auch unbewusst wahrgenommen. Wie solch ein Empfinden technisch reproduziert werden kann, ist gegenwärtig völlig unklar. Es gibt keinerlei Ansätze zu einem technisch funktionierenden Empfinden, und so kann auch niemand seriös eine Prognose darüber abgeben, wann und ob überhaupt Roboter sich dereinst freuen und trauern, uns lieben und verachten, Schmerz und Begeisterung verspüren und uns das auch adäquat mitteilen können. Nirgendwo gibt es Antworten auf solche Fragen, aber solche sind in der ganzen Diskussion offenbar auch ziemlich bedeutungslos. Seit Levys Erklärung, dass die „Roboter der Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts auch über ein menschenähnliches oder übermenschliches Bewusstsein sowie menschenähnliche Emotionen verfügen“ würden, 78 wird dies unverdrossen kolportiert und kaum einmal hinterfragt. Sie auszublenden hat zweifelsohne auch eine suggestive Wirkung auf die Leserjnnen und potentielle Nutzer.
Einfacher als der Erzeugung von künstlichen Emotionen nachzuspüren ist es vielleicht, die Sprachfunktion von „Sexrobotern“ zu ergründen. Wie also funktioniert die Kommunikation mit ihnen?
78 „The robots of the mid-twenty-first century will also possess humanlike or superhuman-like consciousness and emotions“, in: Levy, siehe Anmerkung 6, S. 10.
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